Chinesische Weisheiten
Hohe Weisheiten aus dem fernen Osten, die heute noch ihre Gültigkeit haben.

Lue Bu We (3. Jh. v. Chr.)

Wenn man erkennen will, ob etwas eben und gerade ist dann gebraucht man Wasserwaage und Richtschnur. Wenn man erkennen will, ob etwas rund oder rechtekkig ist, dann gebraucht man Zirkel und Winkelmaß. Wenn ein Herrscher sich selbst kennen lernen will, dann braucht er aufrichtige Staatsmänner. Deshalb hat der Großkönig seine Gehilfen und Lehrer, welche ihm seine Fehler zeigen. Ein Mensch kann sich nicht selber kennen und ein Herrscher noch weniger. Bestehen und Untergang, Friede und Gefahr darf man nicht von außen erwarten, sondern alles kommt darauf an, daß man sich selber kennt. Yau hatte eine Trommel, durch die er wünschte auf Mißstände aufmerksam gemacht zu werden. Schun hatte ein Holz, auf dem man niederschreiben konnte, was man gegen ihn zu sagen hatte. Tang hatte Staatsmänner, die die Pflicht hatten, seine Fehler zu beobachten. König Wu hatte eine Handtrommel, durch die er gewarnt werden wollte. Und doch waren sie besorgt daß sie sich selbst nicht erkennen könnten. Die tüchtigen Herrscher von heute sind einem Yau und Schun, Tang und Wu nicht gleich und haben die Art ihre Fehler verdecken zu lassen: Woher wollen sie dann die Selbsterkenntnis nehmen?

Die Könige des Altertums machten es zu ihrer wichtigsten Aufgabe, sich nach dem Herzen des Volkes zu richten, deshalb brachten sie große Werke zustande und wurden berühmt. Diejenigen, die durch ihre Tugend die Herzen des Volkes gewannen und dadurch die größten Werke und den größten Ruhm für alle Zeiten, waren im Altertum zahlreich. Dagegen ist es noch nie vorgekommen, daß einer, welcher die Herzen seines Volkes verlor, dennoch Werke und Ruhm gewonnen hätte. Es gibt einen bestimmten Weg, wie man das Volk gewinnen kann. Im größten Großstaat und auch im kleinsten Flecken haben die Leute etwas, woran sie eine Freude haben. Macht man sich dieses zu eigen, an dem die Leute Freude haben, dann hat man die Leute zu eigen. Ist es denn gar so vieles, an dem die Leute eine Freude haben? Nein, denn es handelt sich nur darum, daß man das, was das Volk für das Wichtigste hält sich aneignet. Im Altertum hatte Tang das Haus Hia besiegt und die Welt geordnet. Da schickte der Himmel eine große Dürre, so daß man fünf Jahre lang nicht ernten konnte. Da trat Tang in eigener Person im Maulbeerwald vor Gott und sprach: " Wenn ich, der Herrscher, gesündigt habe, so möge die Strafe nicht über das Volk kommen; wenn aber das Volk gesündigt hat so möge die Strafe allein auf mich fallen; möge doch nicht um meiner des einzigen Unfähigkeit willen der höchste Herr und die Ahnen und Geister das Leben des Volkes schädigen" Daraufhin schnitt er sich das Haupthaar ab, rieb sich die Hand wund, um seine eigene Person als Opfer darbringen zu können. So betete er zum höchsten Gott um Glück. Das freute das Volk sehr, und ein starker Regen fiel. Auf diese Weise konnte Tang das geheimnisvolle Wirken der Ahnen und Naturgeister und die Folge der rnenschlichen Ereignisse beeinflussen. König Wen wohnte am Berge Ki. Er diente dem Tyrannen Dschou Sin; aber obwohl dieser ihn ungerecht behandelte und beleidigte, blieb er doch korrekt und loyal. Früh und spät tat er alles zu seiner Zeit. Immer lieferte er den Tribut rechtzeitig ab, er war bei den Opfern mit der Dschou Sin, er ernannte den König Wen zum Markgrafen des Westens und verlieh ihm tausend Meilen Land. König Wen verneigte sich zweimal bis zur Erde, lehnte ab und sprach: "Ich möchte für das Volk um Beseitigung der Strafe des Röstens bitten" Nicht daß er die tausend Meilen Landes verachtet hätte: Daß er aber trotzdem das Volk um Abschaffung der Strafe des Röstens bat tat er, weil er unter allen Umständen die Herzen des Volkes gewinnen wollte. Die Herzen des Volks zu gewinnen erschien ihm wichtiger als tausend Meilen Landes. Deshalb rühmt man die Weisheit des Königs Wen. Der König von Yüo litt unter der Schmach vom Kuai Gi Berge. Er wünschte sehr die Herzen des Volkes zu gewinnen, um in den Kampf auf Leben und Tod mit dem Staat Wu eintreten zu können. Deshalb gönnte er sich keine Ruhe auf Kissen und Matten. Er verschmähte köstliche Speisen, wandte seine Blicke ab von der Schönheit und hörte nicht auf Glocken und Pauken. Drei Jahre geißelte er seinen Leib, erschöpfte seine Kraft redete sich die Lippen wund und die Lunge trokken. Dadurch erreichte er, daß sich seine Diener aufs innigste mit ihm verbanden und er sein Volk zu Vollendung seiner Absicht erzog. Wenn irgendeine köstliche Speise auf den Tisch kam, welche nicht ausreichte, damit alle davon aßen, wagte er auch selbst nicht davon zu essen. Wenn es Wein gab, goß er ihn in den Fluß, um ihn so mit seinem Volk zu teilen. Er pflügte selbst sein Land, um seine Nahrung zu gewinnen. Seine Frau wob selbst, um die Familie zu bekleiden. Er duldete keine kostbaren Speisen, keine doppelten Gewänder, nicht zweierlei Farben. Von Zeit zu Zeit ging er aus und zog mit einem Wagen, der mit Speisen beladen war herum, um nach den Nöten und Krankheiten der Witwen und Waisen, Alten und Schwachen zu sehen und nach den Zuständen der Bedrängten und Unglücklichen. Wenn er einen traf, welcher in Not war, traurig aussah und Mangel litt dann speiste er ihn selbst. Dann hielt er eine Versammlung seiner Großen ab und teilte ihnen seine Gedanken mit. Er sprach: "Ich und der Staat Wu haben dasselbe Begehren nach dem Besten in der Welt. Nun sind aber die Staaten Wu und Yüo beide erschöpft. Meine Ritter haben ihr Herz hergegeben und sind am selben Tag für mich gestorben. Ich möchte mich deshalb allein mit dem König von Wu messen und ringend mit ihm zugrunde gehen. Dies ist mein größter Wunsch. Dies läßt sich jedoch nicht verwirklichen und prüfe ich die Kraft meines Staates, so sehe ich, daß sie ungenügend ist um Wu zugrunde zu richten. Selbst wenn ich andern Fürsten dienen wollte, könnte ich ihm mit ihrer Hilfe nicht beikommen. So will ich allein mein Reich verlassen, all meine Diener ihrer Pflicht entbinden, ein Schwert umgürten und einen Dolch in die Hand nehmen, mich verkleiden, meinen Namen ändern. Darauf will ich ihm mit Sieb und Besen als Sklave dienen, um eines Tages mit dem König von Wu auf Leben und Tod zu ringen. Obwohl ich weiß, daß ich dadurch meinen Hals und meine Lenden in Gefahr bringe, daß Kopf und Füße voneinander getrennt und alle meine Glieder zerrissen werden zur Schmach vor der Welt werde ich dennoch meine Absicht unter allen Umständen durchfuhren' So erreichte er endlich, daß es eines Tages mit dem König von Wu bei den fünf Seen zur Schlacht kam. Das Heer von Wu wurde geschlagen und der Palast des Königs umzingelt. Da die Stadttore nicht bewacht wurden, gelang es ihm, den König Fu Tschai zu fangen und die Beamten von Wu zu töten. Zwei Jahre nach der Vemichtung von Wu erlangte der König von Yüo die Hegemonie im Reich. Dies gelang ihm, weil er sich erst nach den Herzen seines Volkes gerichtet hatte. Der Meister Dschuang von Tsi bat, den Staat Yüo angreifen zu dürfen und fragte den Herrn Tiän Ho. Der Freiherr Ho antwortete: "Unser verewigter Fürst hat als letzten Willen hinterlassen, man dürfe Yüo nicht angreifen. Yüo ist ein grimmiger Tiger." Dschuang sprach: "Auch wenn er ein grimmiger Tiger war, ist er doch schon tot' Der Freiherr Ho sprach: " Er soll die Sache erst dem Meister Hiau ansagen' Hiau sprach: "Auch wenn er gleich tot ist gilt er dennoch soviel wie ein Lebendiger." Deshalb muß man bei jeder Unternehmung die Gesinnung des Volkes feststellen, bevor man sie beginnt.

Ein Staatsmann ist ein Mensch, welcher, wenn es sich um die Stimme der Vernunft handelt vor keinen Schwierigkeiten zurückschreckt. Er vergißt den Vorteil in Stunden der Not. Er läßt sein Leben, um seine Pflicht zu erfüllen. Den Tod betrachtet er nur wie eine Rückkehr. Diese Männer kann der Landesfürst nicht nach Belieben zu seinen Freunden, der Himmelssohn nicht nach Belieben zu seinen Beamten machen. Die Großen unter ihnen können die Weltereignisse bestimmen, die weniger Bedeutenden zumindest die Schicksale eines Staates. Alles kommt auf solche Männer an. Deshalb muß ein Herrscher, welcher große Verdienste und großen Ruhm erwerben will, vor allem danach trachten, solche Männer zu suchen. Ein weiser Herrscher gibt sich alle Mühe, die richtigen Leute zu finden, dann hat er es nachher leicht um die Geschäfte in Ordnung zu halten. Im Staate Tsi lebte ein Mann namens Be Guo Sau, welcher Netze und Reusen flocht Schilf und Binsen sammelte und Sandalen daraus flocht um den Lebensunterhalt für seine Mutter zu verdienen. Da er aber nicht genug verdienen konnte, ging er persönlich in das Haus des Ministers Yän Dsi, besuchte ihn und sprach: "Ich möchte um so viel bitten, damit ich meine Mutter davon ernähren kann' Ein Diener des Yän Dsi sprach zu Yän Dsi:"Dies ist einer der würdigsten Männer von Tsi. Seine Pflicht steht ihm höher als eine Anstellung beim Großkönig und als eine Freundschaft von Fürsten. Vorteile, die er erhält nimmt er nicht unbesehen an, drohendem Unheil sucht er nicht auf unanständige Weise zu entgehen. Daß er Euch um den Lebensunterhalt für eine Mutter bittet ist ein Zeichen, daß er sich Eurer Gerechtigkeit freut. Gebt ihm unter allen Umständen etwas.“ Yän Dsi sandte jemand, der ihm einen Anteil des Korns in seinem Speicher und des Goldes in seinen Schatzkammem bringen sollte. Jener lehnte das Gold ab und nahm nur das Getreide an. Nach einer Weile fiel Yän Dsi bei dem Fürsten von Tsi in Ungnade. Als er im Begriff war, aus dem Staate zu fliehen, ging er am Hause des Be Guo Sau vorüber und nahm Abschied. Be Guo Sau kam dann heraus, um Yän Dsi zu sehen. Er sprach zu ihm: "Meister, weshalb wollt ihr fort?" Yän Dsi sprach: "Ich bin bei dem Fürsten von Tsi in Ungnade gefallen und muß fliehen.' Be Guo Sau sprach:"Meister, paßt gut auf!" Als Yän Dsi wieder auf den Wagen stieg, seufzte er tief und sprach: "Es geschieht mir recht daß ich fliehen muß; denn ich hatte auch wirklich gar keine Menschenkenntnis. Nachdem Yän Dsi weg war, rief Be Guo Sau seinen Freund und sagte zu ihm: "Ich freute mich über die Gerechtigkeit des Yän Dsi und bat ihn daher um Nahrung für meine Mutter. Ich habe aber gehört daß wir für denjenigen, welcher für unsere Nächsten uns Nahrung gegeben hat verpflichtet sind mit unserem Leben einzutreten, wenn er in Schwierigkeiten kommt. Nun ist Yän Dsi in Ungnade gefallen und ich werde mein Leben lassen, um ihn von dem Verdacht zu reinigen' Dann zog er Feierkleider an, setzte einen Feierhut auf, ließ seinen Freund ein Schwert und eine Schüssel in die Hand nehmen und ihm so folgen bis zum Hof des Fürsten. Da bat er den Zeremonienmeister: "Yän Dsi ist einer der würdigsten Männer auf Erden. Weil er weg ist wird der Staat Tsi sicher von Feinden überfallen werden. Wenn man die feindlichen Überfälle des Vaterlandes sicher voraussieht dann ist es besser vorher zu sterben. Ich bitte durch mein abgehauenes Haupt als Zeugnis für Yän Dsi eintreten zu dürfen' ' Dann sprach er zu seinem Freund: "Lege mein Haupt auf die Schüssel und bringe es dar." Er zog sich zurück und tötete sich selbst. Sein Freund aber überreichte sein Haupt als Zeugnis für Yän Dsi und sprach zu den Zuschauern: "Be Guo Sau ist für das Vaterland gestorben, ich werde für Be Guo Sau sterben" Darauf zog er sich ebenfalls zurück und tötete sich. Als der Fürst von Tsi davon hörte, erschrak er sehr, bestieg einen Sonderwagen und fuhr dem Yän Dsi nach. Er erreichte ihn an der Grenze von Tsi. Er bat ihn mit zurückzukommen. Yän Dsi konnte nicht anders als zurückzukehren. Als er gehört hatte, daß Be Guo Sau durch seinen Tod für ihn eingetreten sei, sprach er: "Geschieht es mir denn nicht wirklich recht daß ich fliehen mußte, weil ich noch weniger Menschenkenntnis besaß, als ich gedacht hatte?"

Heute ist die allgemeine Verwirrung aufs äußerste gestiegen. Die Not der Menschen kann nicht mehr gesteigert werden. Die Weltherrscher haben aufgehört die Weisen sind zu Mißerfolg verurteilt und halten sich versteckt. Die Herren der Welt leben nach ihren Lüsten, sind dem Volk entfremdet und die Menschen haben niemanden, dem sie ihr Leid klagen können. Wenn es in unserer Zeit noch einen weisen Herrscher und wirkliche Staatsmänner gibt müssen diese die Worte prüfen, dann werden sie lernen, ihre Kriegsmacht in gerechter Sache zu verwenden. Die Menschen auf Erden, welche schon beinahe dem Tode verfallen sind, werden dann wieder aufleben, diejenigen, die schon beinahe der Schmach verfallen sind, werden dann wieder zu Ehren kommen, diejenigen, die schon beinahe dem Elend verfallen sind, werden dann wieder zur Ruhe kommen. Da die Herrscher der Welt ihren Lüsten leben, werden selbst durchschnittliche, getreue Untertanen ihren Herrn entfliehen und ihre Eltern verlassen, wieviel mehr die unzuverlässigen Elemente. Deshalb, wenn eine gerechte Kriegsmacht sich erhebt werden die Herren dieser Welt ihr Volk nicht mehr zu eigen haben, und die Väter werden ihre Söhne nicht mehr zurückhalten können. Für jeden, welcher auf Erden Führer der Menschen werden will, ist es die entscheidende Frage, die Menschen der Ordnung auszuzeichnen und die unordentlichen Elemente auszuschalten, die Pflichttreuen zu belohnen und die Pflichtvergessenen zu bestrafen. Unter den Gelehrten gibt es heute eine weitverbreitete Richtung, welche den Angriffskrieg verurteilt. Während sie den Angriffskrieg verurteilen, billigen sie aber den Verteidigungskrieg. Beschränkt man sich aber auf Verteidigungskriege, dann würde sich die eben erwähnte Methode, die Menschen der Ordnung auszuzeichnen, die unordentlichen Elemente auszuschalten, die Pflichttreuen zu belohnen und die Pflichtvergessenen zu bestrafen, nicht durchfuhren lassen. Das Wohl und Wehe der Fürsten und Völker auf der Welt hängt davon ab, ob man diese Ausführungen versteht. Angriffskriege und Verteidigungskriege sind im Prinzip dasselbe. Der Unterschied liegt nur in der Wirkung. Wenn man sie durch gewandte Reden beseitigen will, lassen sich unter keinen Umständen triftige Gründe beibringen. Merkt man nicht daß man sich dabei in einen Widerspruch verwickelt dann ist man töricht. Merkt man es aber und betrügt sich selbst dann ist man ein Heuchler. Heuchler und Toren jedoch sind trotz aller Beredsamkeit unbrauchbar. Auch diese Art verurteilt man, was man zu billigen vorgibt. Auf diese Art will man den Nutzen, bringt aber den Schaden, man erstrebt den Frieden, vermehrt aber die Gefahr. Unter allen Dingen, welche den Fürsten auf der Welt Not verursachen und den Völkern das größte Leid zufügen, stehen diese Redereien obenan. Deshalb, wessen Arbeit es ist den Menschen auf Erden wirklich zu nützen, der darf nicht anders: Er muß diese Ausführungen sorgfältig prüfen. Unter einem Angriffskrieg ist natürlich immer zu verstehen, daß man die ordnungswidrigen Elemente angreift und Pflichtvergessene straft. Die Ordnungswidrigen anzugreifen und die Pflichtvergessenen zu bestrafen, ist aber das größte Glück und bringt dem Volk den reichsten Gewinn. Wer dies verhindern will, würde die Ordnungsliebenden ausschalten und die Pflichtgetreuen bekämpfen, er würde die Grundsätze der großen Herrscher Tang und Wu verletzen und die Verbrechen der Tyrannen Giä und Dschou Sin befördern. Das einzige Mittel, durch das man die unordentlichen und pflichtvergessenen Elemente in Schranken halten kann, ist sie zu bestrafen. Das einzige Mittel, durch das man die ordnungsliebenden Elemente und Pflichttreuen fördern kann, ist, sie zu belohnen. Läßt man nun die Ordnungswidrigen und Pflichtvergessenen gewähren, dann liegt in diesem Gewährenlassen eine Belohnung. Läßt man die Ordnungsliebenden und Pflichttreuen in untergeordneter Stellung, dann bestraft man sie eben durch diese Nichtbeachtung. Wenn man aber die Schlechten belohnt und die Guten bestraft dann dürfte es schwerfallen, die Leute zur Ordnung zu bringen. Deshalb ist unter allen Dingen, welche die Welt verwirren und den Menschen schaden, diese Theorie am schlimmsten.

Große Weisheit hat keine äußerliche Gestalt gut Ding will Weile haben, starke Töne erklingen nicht oft. Als Yü die Gewässer der Flüsse ableitete, war das Volk dabei tätig, Ziegel und Scherben zu sammeln. Als das Werk vollendet war, war es zum Nutzen von 10000 Geschlechtern. Yü hatte einen weiten Blick, das Volk wußte das nur nicht. Deshalb kann man mit dem Volk nicht zusammen planen und beginnen, aber man kann sich mit ihm zusammen des vollendeten Werkes freuen. Als Kung Dsi gerade in Lu angestellt war, verfaßte, ein Mann aus Lu, ein Spottgedicht auf ihn: Den Kerl im Hirschpelz und Schürze Mag man verwerfen nach Belieben, Den Kerl in Schürze und Hirschpelz Mag man verwerfen ohne Fehl. Nach drei Jahren hatte es Kung Dsi erreicht daß die Männer auf der rechten Seite der Straße gingen und die Frauen auf der linken. Wenn jemand einen Wertgegenstand verloren hatte, nahm ihn niemand fort. Die Art der großen Weisheit ist wirklich schwer zu verstehen. Als Dsi Tschan angefangen hatte, den Staat Dschong zu ordnen, da sorgte er dafür, daß die Felder Grenzgräben bekamen und hoch wie niedrig fest geregelte Kleidung trug. Da verfaßten Leute aus dem Volk Spottverse über ihn: "Wir haben Felder, Und Dsi Tschan nimmt sie uns weg. Wir haben Kleider, Und Dsi Tschan sammelt sie ein. Wer den Dsi Tschan umbringt Dem helfen wir." Nach drei Jahren verfaßten die Leute wieder Verse über ihn: "Wir haben Felder, Dsi Tschan mehrt sie uns, Wir haben Kinder, Dsi Tschan lehrt sie uns. Wenn Dsi Tschan stürbe, Wer könnt ihn ersetzen!" Wenn der Herzog Giän von Dschen oder der Herzog Ai von Lu, jene Männer entlassen hätte, als das Volk spottete, wären in jenen Ländern nicht solche Erfolge erreicht worden. Dsi Tschan und Kung Dsi hätten sicher als unfähig gegolten, selbst wenn man sie als Verbrecher bestraft hätte, wäre das Volk damit einverstanden gewesen. Heute hält jedermann die Herzöge Giän und Ai für tüchtig und Dsi Tschan und Kung Dsi für fähig, deshalb, weil jene beiden Fürsten es verstanden haben, gerechte Leute zu verwenden. Als Schiffe und Wagen erfunden wurden, dauerte es drei Menschenalter, bis man sich mit ihrem Anblick zufrieden gab. Etwas Gutes einzufahren, ist wahrlich nicht leicht. Deshalb kommt kein Werk zustande, wenn man auf das Gerede der Leute hört; daß Werke zustande kommen, beruht auf der Tüchtigkeit der Fürsten.

Die Könige des Altertums förderten die Kultur, indem sie nichts mehr auszeichneten als die kindliche Ehrfurcht und nichts mehr bevorzugten als treue Gewissenhaftigkeit. Gewissenhaftigkeit und Ehrfurcht ist der höchste Wunsch von Fürsten und Vätern. Bevorzugung und Auszeichnung ist der beliebteste Gedanke der Söhne und Beamten. Daß es doch dahin kommen konnte, daß Fürsten und Väter ihren Wunsch nicht erfüllen und Söhne und Beamte ihre Gedanken nicht verwirklichen konnten, das kommt von der Unkenntnis der Grundsätze der Vernunft. Die Unkenntnis der Grundsätze der Vernunft kommt vom Mangel an Bildung. Wer sich bei einem erfahrenen Lehrer bildet und die notwendige Begabung hat der muß ein Weiser werden; ich wüßte nicht wie dies anders möglich wäre. Ist jedoch ein Weiser da, dann ist die Welt in Ordnung. Weilt er zur Rechten, dann ist die Rechte wichtig, weilt er zur Linken, dann ist die Linke wichtig. Deshalb haben die weisen Könige des Altertums alle ihre Lehrer geehrt. Denn ehrt man seinen Lehrer, dann fragt man nicht danach, ob er vornehm oder gering, arm oder reich ist. So wird der Name berühmt und das geistige Wesen gewinnt nach außen an Einfluß. Die Lehrer fragten bei ihrer Belehrung nicht danach, ob der Schüler Einfluß hatte oder nicht ob er vornehm oder gering, arm oder reich war, sondern sie fragten, wie er sich zur Wahrheitverhielt. Ist der Mensch brauchbar, dann werden seine Handlungen stets brauchbar sein. Das, was er sucht wird er alles finden, das, was er wünscht wird er alles vollenden. Diese Erfolge rühren daher, daß man es erreicht weise zu werden. Ein Weiser wird man auch dadurch, daß man sich um seine Bildung Mühe gibt. Es ist noch nie geschehen, daß jemand, der sich um seine Bildung nicht Mühe gibt ein großer Gelehrter und berühmter Mann geworden wäre. Die Mühe um Bildung besteht darin, daß man seinen Lehrer ehrt. Ehrt man seinen Lehrer, dann folgt man seinen Worten, und er teilt uns die Wahrheit mit. Wer auszieht um andere zu belehren, wird keinen Einfluß gewinnen. Wer sich seinen Lehrer bestellt wird nicht von ihm beeinflußt. Derjenige, der sich selbst entwürdigt findet kein Gehör; wer den Lehrer entwürdigt hört nicht auf ihn. Wenn nun ein Lehrer eine Methode, durch die er weder Einfluß noch Gehör findet, ausübt und den andern mit Gewalt belehren will, um ihn zu einem ehrenwerten Benehmen anzuleiten, ist der nicht weit weg vom Ziel? Wenn ein Lernender in einer Lage bleibt die die Beeinflussung und das Hören unmöglich macht und durch dieses Benehmen einen berühmten Namen und ein gesichertes Leben erlangen will, derjenige macht es wie jemand, der etwas Verfaultes am Busen birgt und duften möchte, oder wie jemand, welcher ins Wasser geht und nicht naß werden will. Der Unterricht muß streng sein, er darf nicht zum Spiel ausarten. Heute sind die Unterrichtenden häufig nicht in der Lage ihren Schülern mit Strenge zu begegnen, sondern sie suchen sie im Gegenteil zu erheitern. Aber wenn man nicht in der Lage ist streng zu sein, sondern den Schüler erheitern will, dann macht man es gerade so, wie wenn man einen Ertrinkenden retten würde und ihm anschließend mit einem Stein vor den Kopf schlagen würde, oder als ob man einen Kranken heilen und ihm nachher Schirling zu trinken geben würde. Dadurch kommt die Welt immer mehr in Verwirrung, und untaugliche Herrscher werden immer mehr verblendet. Deshalb besteht die Aufgabe der Lehrer darin, daß sie der Vernunft zum Sieg verhelfen und die Pflicht durchfuhren. Siegt die Vernunft und steht die Pflicht fest dann ist die Stellung der Lehrer geehrt. Könige, Fürsten und Vornehme werden es nun nicht wagen, ihnen hochmütig zu begegnen. Bis hinauf zum Himmelssohn werden sie sich bei ihm einfinden, ohne sich zu schämen. Es ist Zufall, daß ein Lehrer mit einem Fürsten zusammentrifft der zu ihm paßt. Ein solches Zusammentreffen läßt sich nicht erzwingen. Wenn nun einer die Vernunft im Stich läßt und Pflicht vernachlässigt um etwas zu erreichen, welches sich nicht erzwingen läßt und dann möchte, daß er geehrt wird, dieser sucht etwas Unmögliches zu vollbringen. Vielmehr muß ein Lehrer der Vernunft zum Sieg verhelfen und die Pflicht durchfuhren, und dann wird er geehrt werden Dsong Dsi sprach: "Wenn ein Edler auf der Straße geht dann kann man es aus seinem Benehmen sehen, ob er einen Vater oder einen Lehrer hat. Wer keinen Vater, keinen Lehrer hat benimmt sich ganz anders. Was besagt dieses Wort? Es sagt daß man dem Lehrer ebenso dienen muß, wie man dem Vater." Dson Diän, der Vater Dsong Schens, hatte diesen einmal ausgeschickt und er war über die Zeit nicht zurückgekommen. Nun kamen die Leute alle zu Dson Diän und sagten: "Ihm wird doch nichts zugestoßen sein!" Dson Diän antwortete: "Wenn ihm etwas zugestoßen wäre, dann wäre das ja noch zu meinen Lebzeiten. Wie sollte er daher es wagen, sich etwas zustoßen zu lassen!" Als Meister Kung in Gefahr war in Kuan, blieb Yän Hui zurück. Meister Kung sprach: "Ich fürchtete, du seiest ums Leben gekommen' Yän Hui erwiderte:"Wie sollte ich es wagen, ums Leben zu kommen, wo der Meister noch lebt!" Das Benehmen Yän Huis Meister Kung gegenüber war genau dasselbe wie das Dsong Schens seinem Vater. Weil nun die tüchtigen Männer des Altertums ihre Lehrer so ehrten, deshalb erschöpften die Lehrer ihre Weisheit und gingen bis auf den Grund der Wahrheit um sie zu belehren.

Heute gibt es Fürsten, welche an Ansehen jenen alten Herrschern bei weitem nicht gleichen, deren Weisheit diejenige eines Heiligen lange nicht erreicht und die dennoch denken, sie brauchen ihre Meister nicht zu ehren. Wie sollen die es zu etwas bringen? Dies war eben der Grund, weshalb die Geschlechter der fünf Herrscher zu Ende kamen und weshalb die drei Dynastien vernichtet wurden. Der Mensch ist von Natur aus so beschaffen, daß sein Ohr die Möglichkeit des Hörens hat. Wer jedoch nicht hören lernt für den ist es besser, er wäre taub. Das Auge hat die Fähigkeit des Sehens, wer aber nicht sehen lernt, für den ist es besser, wenn er blind wäre. Der Mund hat die Fähigkeit des Redens, aber wer nicht reden lernt für den ist es besser, wenn er stumm wäre. Der Verstand hat die Fähigkeit des Erkennens, wer aber nicht erkennen lernt, für den ist es besser, wenn er irre wäre. So besteht das Lernen nicht darin, daß der Natur etwas hinzugefügt werden kann, sondern darin, daß das natürliche Wesen zur Erfüllung kommt. Wer das, was die Natur in ihm erzeugt hat vollenden kann und es nicht verdirbt der weiß zu lernen. Dsi Dschang stammte aus einer verkommenen Familie in Lu, Yän Dschu Dsü war ein Räuber aus Liang Fu, sie lernten aber bei Meister Kung. Duan Gan Mu war ein Wucherer im Staate Dsin, er lernte aber doch bei Dsi Hia. Gau Ho und Hiän Dsi Schi hatten sich im Staate Tsi durch ihre Wildheit einen Namen gemacht daß man auf dem Lande mit dem Finger auf sie zeigte, sie lernten aber doch bei Meister Mo Dsi. So Lu Tsan war der größte Betrüger des Ostens, er lernte aber bei Kin Gu Li. Diese sechs Männer waren Leute, welche für Strafe, Schmach und Tod bestimmt zu sein schienen. Nun entgingen sie aber nicht nur Strafe, Schmach und Tod, sondern sind sogar zu großen Gelehrten und berühmten Männern geworden, welche ihres Lebens Tage erfüllten, auf Könige, Fürsten und Vornehme hörten und sie auszeichneten. Dies alles haben sie durch Lernen erreicht. Beim Lernen muß man vor allem darauf achten, Fortschritte zu machen. Das Herz darf nicht zerstreut sein, und man muß fleißig memorieren und emsig und aufmerksam zuhören. Sieht man, daß der Lehrer gute Laune hat dann frage man ihn nach dem Sinn des Gelesenen. Man halte Augen und Ohren bei der Sache und weiche nicht von den Grundsätzen ab. Erst wenn man allein ist denke man über die Worte des Lehrers ernstlich nach. Man berede sich auch laufend mit Leuten anderer Ansichten, um die Wahrheit beurteilen zu können. Man soll nicht in den Tag hinein widersprechen, sondern sich immer in den richtigen Grenzen halten. Wenn man das Richtige trifft werde man nicht eingebildet. Wenn man daneben trifft schäme man sich nicht. Was das Wichtigste ist, man gehe bei allem auf die Grundlagen zurück.

Wer auf der Welt ein Reich oder eine Familie regieren muß, muß die Grundlagen wichtig nehmen und Außerlichkeiten hinten anstellen. Unter den Grundlagen sind nicht Pflügen, Jäten, Säen und Pflanzen zu verstehen, sondern daß man auf die dazu notwendigen Menschen acht hat. Sich für die Menschen sorgen, bedeutet nicht daß man sie reich macht wenn sie arm sind, daß man sie vermehrt wenn sie wenig sind, sondern daß man auf die Grundlagen ihres Daseins achtet. Keiner der Grundlagen des Daseins, auf die man achten muß, ist wichtiger als die Kindesehrfurcht. Ist ein Herrscher ehrfürchtig, dann strahlt und leuchtet sein Name. Seine Untergebenen hören auf ihn, und die ganze Welt rühmt ihn. Ist ein hoher Beamter ehrfürchtig, dann dient er treu seinem Fürsten, verwaltet uneigennützig sein Amt und ist wenn große Schwierigkeiten auftauchen, zum Sterben bereit. Sind die Untertanen ehrfürchtig, dann sind sie eilig im Pflügen und Jäten, unerschütterlich in Verteidigung und Angriff und lassen sich nicht besiegen. Ehrfurcht war die hochgeachtete Grundlage der drei Erhabenen und der fünf Herrscher, sowie der rote Faden, welcher sich durch alle Arbeiten zog. Nur ein einziges Mittel gibt es, wodurch man alles Gute herbeiziehen, alles Schlechte entfernen und die Welt in Gehorsam halten kann: dies ist die Kindesehrfurcht. Deshalb muß man sich bei der Beurteilung von Menschen zunächst an ihr Verhältnis zu ihren Nächsten halten und danach auf ihr Verhältnis zu Fernerstehenden. Man muß zuerst ihr Verhalten gegen die, welche für sie wichtig sind ansehen und dann erst das gegen die, welche für sie weniger wichtig sind. Wenn jemand ehrfurchtsvoll gegen seine Nächsten und wichtigen Angehörigen ist sich nicht unehrerbietig gegen die Fernstehenden zeigt übt er die richtige Art der Kindesehrfurcht aus. Das war das Mittel, durch welches die alten Könige die Welt in Ordnung gebracht hatten. Wer seine Nächsten liebt wagt es nicht andere Menschen zu hassen. Wer seine Nächsten ehrt wagt es nicht andere Menschen zu beleidigen. Liebe und Ehrfurcht konzentrieren sich auf den Dienst an den Nächsten, und der helle Schein dieser Tugenden strahlt auf die hundert Geschlechter aus und leuchtet bis an die fernsten Meeren. So ist die Ehrfurcht des Himmelssohnes beschaffen. Dsong Dsi sagte: "Unser Leib ist die Gestalt die uns unsere Eltern hinterlassen haben. Muß man nicht gewissenhaft in der Behandlung dieses anvertrauten Guts sein? Wer in seinem Betragen nicht ernst ist besitzt nicht die richtige Kindesehrfurcht. Wer im Dienst des Fürsten nicht treu ist besitzt nicht die richtige Kindesehrfurcht. Wer im Amt nicht gewissenhaft ist besitzt nicht die richtige Kindesehrfurcht. Wer als Freund nicht aufrichtig ist besitzt nicht die richtige Kindesehrfurcht. Wer im Kampf nicht mutig ist besitzt nicht die richtige Kindesehrfurcht. Denn wer in diesen fünf Tugenden nicht vollkommen ist dieser bringt Unglück über seine Eltern. Muß man deshalb nicht gewissenhaft sein? In den Urkunden von Schang steht: "Es gibt dreihundert Strafen, aber die größte Sünde ist die Unehrerbietigkeit' Dsong Dsi sagte: "Fünf Mittel hatten die Könige des Altertums, damit sie die Welt in Ordnung halten konnten. Sie hielten den sittlichen Wert hoch, sie hielten den vornehmen Stand hoch, sie hielten das Alter hoch, sie ehrten die Reifen und liebten die Jugend. Dadurch setzten die Könige des Altertums die Weltordnung fest. Sie ehrten die sittlichen Werte, da sie der Weisheit nahestehen, sie hielten den vornehmen Stand hoch, da er dem Herrscher nahesteht sie hielten das Alter hoch, da es den Eltern nahesteht sie ehrten die Reifen, da sie den älteren Brüdern nahestehen, sie liebten die Jugend, da sie den jüngeren Brüdem nahesteht.' Dsong Dsi sagte: "Was die Eltern am Leben ließen, das darf der Sohn nicht zu töten wagen. Wen die Eltern einsetzten, den darf der Sohn nicht abzusetzen wagen. Was die Eltern vollkommen wollten, darf der Sohn nicht zu verderben wagen. Deshalb wird er im Wasser ein Schiff benützen und nicht schwimmen, zu Lande die Straße benützen und keine gefährlichen Seitenwege. Wer seinen Leib hell hält damit er den Ahnendienst aufrechterhalten kann, den kann man ehrfurchtsvoll nennen.' Die Pflege der Eltern geschieht auf fünffache Art. Man richtet Häuser und Zimmer, sorgt für bequeme Betten und Matten sowie für richtig zubereitete Getränke und Speisen. So geschieht die Pflege des Leibes. Man bereitet fünffarbige Dinge zu, sorgt für bunte Bemalung und geschmackvolle Verzierung. So geschieht die Pflege des Auges. Man ordnet die sechs Tonarten, stimmt die fünf Noten ab, und teilt sie den acht Arten von Musikinstrumenten zu. So geschieht die Pflege des Ohrs. Man gart die fünf Getreidesorten, kocht die sechs Haustiere und stellt Gebratenes und Gekochtes in richtiger Übereinstimmung zusammen. So geschieht die Pflege des Mundes. Man bemühe sich freundlicher Mienen, heiterer Worte und ehrfurchtsvollen Benehmens. So geschieht die Pflege des Willens. Diese fünf Arten abwechselnd anzuwenden und reichlich auszuüben die richtige Art, die Eltern zu pflegen. Yüo Dschong Dsi Tschun ging einmal die Treppe hinunter und verletzte sich den Fuß. Nachdem er wieder geheilt war, ging er doch mehrere Monate nicht aus, und seine Mienen waren immer noch traurig. Da fragten ihn seine Jünger: "Weshalb seid ihr immer noch traurig und geht schon seit Monaten nicht mehr aus, obwohl Euer Fuß, welchen Ihr beim Verlassen der Halle verletzt habt schon längst wieder geheilt ist?" Yüo Dschong Dsi Tschun sagte: "Gut daß Ihr mich fragt. Ich habe es von Meister Dsong, und Meister Dsong hatte es von Dschung Ni gehört daß unser Leib, welchem die Eltern vollkommen das Leben gegeben haben, von uns auch vollkommen wieder zurückerstattet werden muß. Nur wer seinen Leib nicht verunstaltet und seinen Körper nicht beschädigt der kann ehrerbietig genannt werden. Der Edle tut keinen Schritt ohne daß er daran denkt. Ich hatte die Kindesehrfurcht vergessen, deshalb bin ich traurig. Denn unser Leib ist nicht unser persönliches Eigentum, sondern das hinterlassene Gut unserer Eltern und Vorfahren' Grundlage aller Belehrung des Volkes ist: Ehrfurcht. Die Ausübung der Ehrfurcht besteht in der Pflege der Eltern. Diese Pflege kann man vielleicht schon verstehen, jedoch ist die Sorgsamkeit das Schwierige. Die Sorgsamkeit kann man vielleicht schon verstehen, jedoch ist das Schwierige, daß es einem natürlich wird. Auch diese Natürlichkeit kann man vielleicht verstehen, jedoch das Durchhalten bis zum Ende. Wer, wenn die Eltern längst tot sind, noch immer sein Leben sorgsam führt damit kein Makel auf den Namen der Eltern kommt jener versteht es, bis zum Ende durchzuhalten. Liebe ist diese Gesinnung zu lieben. Sittlichkeit ist in dieser Gesinnung zu wandeln. Sitte ist in dieser Gesinnung aufzutreten. Gerechtigkeit ist in dieser Gesinnung richtig zu sein. Freude ist in dieser Gesinnung treu zu sein. Stärke ist in dieser Gesinnung stark zu sein. Die Heiterkeit entsteht dadurch, daß man dieser Gesinnung folgt. Die Strafen sind für diejenigen gemacht welche dieser Gesinnung widerstreben. Bei allen Ackergeschäften ist reichlich Pflege wertvoll. Wenn man Holz nicht zur Zeit fällt ist es nicht fest und wird sicherlich faulen. Wenn das Korn reif ist und nicht geerntet wird, kommt sicher eine Landplage. Das Korn wird vom Menschen gepflanzt die Erde läßt es wachsen, der Himmel tut es nähren. Darum, wenn man pflanzt muß man für den Fuß Platz lassen, wenn man jätet muß man für die Hacke Platz lassen, wenn man es erntet muß man für die Hand Platz haben. Dies ist der Lauf des Ackerbaus. Wen zeitiges Getreide kommt, ist der Stengel lang und die Ahren groß, die Wurzel groß und die Zweige klein, die Knoten in großen Zwischenräumen und die Ähre groß, die Samen sind rund und die Spreu dünn, die Körner sind fett und nahrhaft. Korn wird nicht leicht vom Winde umgeweht. Zu frühes Korn hat an Zweigen und Blättern Grannen und ist kurz und quer. Die Ähre ist groß und üppig, der Geschmack ist wie der guter Körner, duftet aber nicht. Zu spätes Korn hat Grannen an Verzweigungen und Blättern, die Spitzen sind nicht senkrecht. Die Ähren sind mager und fallen, noch während sie grün sind. Sie haben viele taube Samen, die nicht voll sind. Zeitiges Korn hat einen angenehmen Geruch, einen süßen Geschmack und ist nahrhaft. Wenn man es 100 Tage lang ißt werden Ohren und Augen scharf und der Verstand klug, die Glieder werden stark, Krankheitsstoffe dringen nicht ein, der Leib wird nicht krank. Huang Di sprach: "Vieles tut man nicht zur Zeit die Feldbestellung aber muß stets zur Zeit geschehen'

Die von der Natur erzeugten Kräfte des Dunkeln und Lichten, der Kälte und Hitze, Dürre und Feuchtigkeit die Wirkung der vier Jahreszeiten, die Umwandlungen aller Dinge können sowohl nützlich wie schädlich sein. Der Weise untersucht das Gleichgewicht der Kraft des Dunkeln und des Lichten und unterscheidet den Nutzen aller Dinge, um das Leben zu fördern. Deshalb ruhen Geist und Seele in seinem Leib, und er erreicht ein hohes Lebensalter. Ein hohes Lebensalter bedeutet aber nicht daß das Alter von Natur aus kurz wäre und künstlich verlängert werden müßte, sondern bedeutet, daß die von Natur gesetzten Grenzen erreicht werden. Diese von der Natur gesetzten Grenzen werden dadurch erreicht, daß man Schädigungen fernhält. Was bedeutet das Femhalten von Schädigungen? Wenn zuviel Süßes, zuviel Saures, zuviel Bitteres, zuviel Scharfes, zuviel Salziges dem Körper zugeführt wird, dann entstehen Schädigungen. Wenn zuviel Freude, zuviel Zorn, zuviel Trauer, zuviel Furcht die Seele umtreibt dann entstehen Schädigungen. Wenn zu große Hitze, zu große Kälte, zu große Dürre, zu große Feuchtigkeit zuviel Wind, zuviel Regen, zuviel Nebel die Nerven aufregen, dann entstehen Schädigungen. Deshalb ist zur Pflege des Lebens nichts wichtiger als die Kenntnis der Grundlagen; denn kennt man die Grundlagen, dann findet die Krankheit keinen Eingang. Die Ansammlung der Nervenkraft äußert sich notwendiger Weise in bestimmten Wirkungen. Wenn sie sich in den gefederten Vögeln sammelt dann ermöglicht sie ihnen das Fliegen und Schweben, wenn sie sich in den vierfüßigen Tieren sammelt dann ermöglicht sie ihnen das Laufen und Rennen, wenn sie sich in Perlen und Nephrtien sammelt dann macht sie, daß sie fein und leuchtend werden; wenn sie sich in Sträuchern und Bäumen sammelt dann verursacht sie üppiges Wachstum; wenn sie sich in einem Weisen sammelt dann schafft er Größe und Erleuchtung. Die Wirkung dieser Nervenkraft hat zur Folge, daß sie auf Grund der Leichtigkeit schweben, auf Grund des Gehvermögens laufen macht auf Grund der Schönheit diese erhöht auf Grund der Wachstumsfähigkeit das Wachstum fördert, und auf Grund der Erkenntnisfähigkeit diese erleuchtet. Fließendes Wasser fault nicht und Türangeln rosten nicht das verursacht die Bewegung. Mit der Kraft des Leibes verhält es ebenso. Wenn sich der Leib nicht bewegt dann kommen die Nervenströme nicht in Fluß; wenn die Nervenströme nicht in Fluß sind, dann stockt die Kraft. Tritt diese Stockung am Kopf auf,.dann erzeugt sie Anschwellungen und Erkältungen. Außert sie sich in den Qhren, dann erzeugt sie Ohrensausen und Taubheit. Außert sie sich in den Augen, dann erzeugt sie Entzündungen und Blindheit. Außert sie sich in der Nase, dann erzeugt sie Geschwüre und Stockschnupfen. Äußert sie sich im Bauch, dann erzeugt sie Blähungen und Zukkungen. Äußert sie sich in den Füßen, dann erzeugt sie Lähmungen und Krämpfe. An Orten mit leichtem Wasser gibt es viel Kahlköpfe und Kröpfe: An Orten mit schwerem Wasser gibt es viel Wassersüchtige und Lahme. An Orten mit süßem Wasser gibt es viel Schöne und Liebliche. An Orten mit scharfem Wasser gibt es viel Krebs und andre böse Geschwüre. An Orten mit bitterem Wasser gibt es viel Verkrümmte und Bucklige. Beim Essen muß man immer darauf achten, nicht zu viele geschmackvolle Speisen, zu scharfe Gewürze und allzu schweren Wein zu genießen, denn das sind Krankheitsverursacher. Wenn man stets zu festbestimmter Zeit ißt, dann bleibt der Körper frei von Krankheiten. Die beste Hygiene des Essens ist weder hungrig noch übersättigt zu sein; das bedeutet den Eingeweiden Ruhe zu verschaffen. Die Speisen sollen für den Gaumen schmackhaft sein. Gleichzeitig muß man aber darauf bedacht sein, durch Seelenruhe und gesetzte Haltung auch geistige Kräfte dem Leib zuzuführen. Alle Teile des Leibes werden erfrischt und alle erhalten ihren Anteil an der Kräftigung. Trinken soll man in kleinen Schlucken, den Körper dabei gerade halten, damit man sich nicht verschluckt.

Was die alten Könige am meisten haßten, war Unzuverlässigkeit. Durch Unzuverlässigkeit verfallen die Beziehungen zwischen Fürst und Minister, Vater und Sohn, Alter und Jugend, Freund und Freund, Mann und Frau. Wenn diese Beziehungen alle verfallen, dann ist das die größte Unordnung, welche man denken kann. Alle sozialen Beziehungen kommen durch Aufrechterhaltung jener Klassen in Ordnung. Wenn diese zehn Klassen verlorengehen, unterscheidet sich der Mensch nicht mehr von Hirschen, Tigern und Wölfen. Der Stärkste besitzt nun die Macht. Wenn jemand unzuverlässig ist so gibt es keine Ruhe für den Fürsten, keine Freude für die Eltern, keine Ehre für die älteren Brüder, keine Liebe für die Freunde, keine Achtung für den Gatten. Wessen Land stark und groß ist dieser hat darum noch lange nicht die Weltherrschaft. Wer aber die Welt beherrscht hat dessen Land ist sicherlich stark und groß. Wodurch erreicht ein Weltherrscher seine Wirkung? Durch seine Würde und den Vorteil, den er gewähren kann. Wenn er nicht stark und groß ist dann ist seine Würde keine wirkliche Würde, und der von ihm bewilligte Vorteil kein wirklicher Vorteil. Wenn seine Würde nicht wirkliche Würde ist dann vermag sie niemand einzuschüchtern. Wenn der von ihm gewährte Vorteil kein wirklicher Vorteil ist dann kann er niemanden anfeuern. Deshalb sorgt ein tüchtiger Herrscher dafür, daß seine Würde und sein Vorteil nicht ihresgleichen haben. Das, was er verbietet wird aufhören, und das, wozu er anfeuert wird sicherlich geschehen. Wessen Würde und Vorteil ihresgleichen haben, der kann sein Volk anstrengen, wenn er nur zuverlässig ist dann wird er Weltherrscher. Wenn jedoch die Würde und der Vorteil eines Herrschers nicht ihresgleichen haben und er unzuverlässig ist dann geht er zugrunde. Wenn Kleine und Schwache in ihrem Wandel unzuverlässig sind, dann mißtrauen ihm die Großen und Starken. Es liegt jedoch in der Natur des Menschen, daß er jenen nicht lieben kann, welchem er mißtraut. Wenn einer klein und schwach und unbeliebt bei den Großen ist dann kann er nicht bestehen. Deshalb ist der Weg der Unzuverlässigkeit einer, auf dem die Weltherrscher, falls sie ihn einschlagen, ihr Reich verlieren, und die Starken und Großen, falls sie ihn einschlagen, in Gefahr geraten, die Schwachen und Kleinen werden, falls sie ihn einschlagen, vernichtet. Wenn ein Wanderer einen großen Baum sieht zieht er sich aus, hängt seinen Hut an einen Ast lehnt sein Schwert an den Stamm und schläft darunter. Ein großer Baum ist nicht von Natur aus ein guter Bekannter und intimer Freund des Menschen, und trotzdem legt er sich so ruhig in seinem Schatten nieder, weil er ihm vertraut. Wenn ein großer Baum auf einem Berg steht dann nützen ihn die Menschen zum Stelldichein, da er leicht zu erkennen ist. Um wieviel mehr ist das mit einem Staatsmann so! Einen Staatsmann, welcher pflichtgetreu lebt kann man kennen. Das was man mit ihm verabredet hat, ist sicher und gewiß. Um wieviel mehr erst ein starker und großer Staat. Wenn man die Handlungsweise eines großen und starken Staates wirklich kennt dann ist es nicht schwer, die Weltherrschaft zu erlangen. Die Menschen benützen ein Schiff, weil es schwimmt und nicht untergeht. Die Welt schätzt die Edlen, weil sie recht handeln können und keines Unrechts fähig sind. Meister Kung fragte das Orakel und zog das Zeichen: "Anmut". Er hielt es für unheilbringend. Dsi Gung sagte. "Anmut ist doch ein günstiges Zeichen, weshalb sollte es unheilbringend sein?" Meister Kung sagte: "Weiß ist weiß und schwarz ist schwarz. Was aber soll denn an der Anmut günstig sein?" Das, was der Edle an den Dingen am meisten haßt ist wenn sie nichts bestimmtes haben. Das was die Welt am meisten haßt, ist wenn einer in seinem Handeln unzuverlässig ist. Wenn einer unzuverlässig ist dann machen sich selbst Räuber nichts aus ihm und Diebe planen nichts mit ihm zusammen. Räuber und Diebe sind große Verbrecher und finden doch Genossen ihrer Taten; um wieviel mehr also Leute, welcher etwas Großes vollbringen wollen. Wer etwas Großes vollbringen will, der muß so beschaffen sein, daß die Welt leicht bereit ist ihm zu helfen. Er braucht nötig Männer, welche zuverlässig sind.

Um den Erdkreis und ein Reich zu regieren, gibt es keine bessere Methode, als sich auf die Tugend zu stützen und Gerechtigkeit zu üben. Übt man Tugend und Gerechtigkeit dann braucht man keine Belohnung, damit das Volk sich müh4 man braucht keine Strafe, damit das Verkehrte endet. So regierten Schen Nung und Huang Di. Übt man Tugend und Gerechtigkeit dann können der große Ozean, die Wasser und alle Ströme uns nichts anhaben, die Höhe des Huaberges, die Steilheit des Guaigiberges uns nicht hindern, die geübten Truppen eines Königs Ho Lü von Wu, die Krieger eines Sum Wu und Wu Ki uns nicht zurückhalten. Auf diese Weise durchdrang die Tugend der alten Könige Himmel und Erde und erfüllte die vier Meere. Ost und Wes4 Süd und Nord, alles Land, wo Sonne und Mond scheinen, welches der Himmel schirint und die Erde träg4 liebte sie und dachte unaufhörlich an sie. Sie waren demütig, wahrhaftig und gerecht und das ganze Volk wurde wie sie. Sie bekämpften die Feinde und niemand wußte, wie sie es taten. Das bedeutet dem Weg des Himmels folgen. Sie lehrten das Volk, sein Benehmen zu ändern und seine Sitten zu verbessern, ohne daß es wußte, wodurch es beeinflußt wurde. Das bedeutet den Gefühlen des Volkes folgen. So blieben die Männer des Altertums selbst verborgen, aber ihre Taten leuchteten. Ihr Leib war schon zur Ruhe gegangen, aber ihr Name war noch immer berühmt. Ihre Worte drangen durch, ihre Wandlungskraft äußerte sich. Der allgemeine Nutzen breitete sich auf der Erde aus, das Volk wußte davon nichts. Bedurfte es da noch strenger Strafen und reichlicher Belohnungen? Strenge Strafen und reiche Belohnungen sind Regierungsregeln untergehender Zeiten. Die drei MiauStämme fügten sich nicht. Da bat Yü um Truppen, um sie zu bekämpfen. Schun sagte: "Es geht auch durch Tugend!" Er übte seine Tugend drei Jahre lang aus und die drei Miau-Stämme fügten sich. Meister Kung hörte das und sagte:"Wer die Wirklichkeit der Tugend kennt für den sind die Berge Mong Men und Tai Hang nicht zu steil!" So heißt es: Die Tugend ist in ihrer Wirkung schneller als die Regierungsschnellpost. In der Lichthalle der Dschou standen die Metallinstrumente hinten, um deutlich zu machen, daß die Tugend das erste und die kriegerische Kraft das zweite ist. Schun machte es auch so. Er stimmte mit der Schou-Dynastie in der Geringschätzung der kriegerischen Kraft überein. Der Herzog Hiän von Dsin entfernte wegen seiner Nebenfrau Li Gi den Kronprinzen. Der Kronprinz Schen Schong lebte in Kü 0. Der Prinz Tschung Örl lebte in Pu. Der Prinz 1 Wu lebte in Kü. Da sagte Li Gi zu dem Kronprinzen: "Vorgestern abend hat der Fürst deine Mutter Giang im Traum gesehen.' Nun opferte der Kronprinz seiner verstorbene Mutter und überbrachte das restliche Opferfleisch seinem Vater dem Herzog. Li Gi vertauschte es gegen vergiftetes Fleisch. Als der Herzog das Opferfleisch kosten wollte, sagte die Konkubine: "Das Fleisch ist von weit hergekommen, laßt es bitte erst jemand anderes kosten.' Der Kostende starb. Man gab seinem Hund davon, und der Hund starb auch. Nun beschuldigte der Fürst den Kronprinzen. Der Kronprinz verschmähte es, sich zu rechtfertigen und sagte: "Wenn mein Vater Li Gi nicht in seiner Wohnung hat dann fühlt er sich nicht behaglich, ohne sie schmeckt ihm das Essen nicht" Er stürzte sich in sein Schwert und tötete sich. Nun floh der Prinz 1 Wu von Kü nach dem Staat Liang, der Prinz Tschung Örl floh von Pu nach dem Staat Di. Er verließ Di wieder und kam durch We. Der Herzog Wen von We behandelte ihn nicht höflich. Als er über Lu Wu nach Tsi kam, war der Herzog Huan von Tsi gerade gestorben. Er verließ Tsi wieder und ging nach Tsau. Der Herzog Gung von Tsau sah, daß seine Rippen zusammengewachsen waren, ließ ihn sich entkleiden und im Weiher Fische fangen. Darauf verließ er Tsau und ging nach Sung. Der Herzog Siang von Sung behandelte ihn höflich. Er ging nach Dschong, Herzog Wen von Dschong ehrte ihn nicht. Da ermahnte Be Dschan den Herzog und sagte: "Es heißt: Ein weiser Herr behandelt einen Unglücklichen nicht wie einen Unglücklichen. Nun sind die'Leute, welche dem Prinzen von Dsin folgen, lauter tüchtige Männer. Wenn ihr sie nicht höflich behande14 ist es besser, ihr tötet sie" Der Fürst von Dschong hörte aber nicht auf ihn. Nun verließ jener Dschong und ging nach Tschu. Der König Tschong von Tschu behandelte ihn verächtlich. Er verließ Tschu und ging nach Tsin. Herzog Mu von Tsin führte ihn in seine Heimat zurück. Als die Verhältnisse in Dsin wieder in Ordnung gebracht waren und Tschung Örl Herzog geworden war, rüstete er ein Heer, griff Dschong an und verlangte die Auslieferung des Be Dschan. Be Dschan sagte zu dem Fürsten von Dschong: "Es ist am besten, wenn ihr mich ausliefert." Der Fürst von Dschong sagte: "Es ist meine Schuld.' Be Dschan sagte: "Ich will gerne sterben, um das Verderben von unserem Land abzuwenden." Be Dschan ging in das Lager der Truppen von Dsin. Herzog Wen wollte ihn in siedenem Öl kochen lassen. Be Dschan griff mit den Händen nach dem Kessel und rief: "Soldaten, hört meine Worte! Ab heute dürft ihr nicht mehr treu Eurem Fürsten gegenüber sein, denn wer gegen seinen Fürsten treu is4 wird gekocht' Herzog Wen entschuldigte sich bei ihm, zog sein Heer zurück und schickte ihn nach Dschong zurück. Be Dschan war seinem Fürsten treu und sein Fürst entging dadurch der Gefahr, welche ihm von Dsin drohte. Er tat seine Pflicht dem Fürsten von Dschong und sogar Herzog Wen war darüber erfreut. So groß ist der Nutzen der Pflichttreue. Es lebte einst ein Schulhaupt der Schule des Mo Di, genannt Mong Schong, welcher mit dem Fürsten der Stadt Yang Tschong in Tschu befreundet war. Der Fürst von Yang Tschong bat ihn, ihm sein Gebiet zu wahren. Er nahm einen Nephritring, zerbrach ihn, als Erkennungszeichen. Er verabredete mit ihm: "Wenn das Nephritstück, welches ein Bote bring4 paß4 dann höre auf ihn.' Nun starb der König von Tschu. Die Minister beschlossen, den Staat Wu anzugreifen. Sie versammelten ihre Truppen am Ort der Bestattung. Der Fürst von Yang Tschong war auch unter ihnen. Die Regierung von Tschu verhängte eine Strafe über ihn, worauf der Fürst Yang Tschong verließ. Der Staat Tschu requirierte darauf sein Gebiet. Mon Schon sagte:" Wenn man ein Gebiet auf Grund eines Erkennungsszeichens erhalten hat das Erkennungszeichen nicht vergessen wird, und man doch nicht stark genug is4 um seine Besetzung zu verhindern, dann bleibt nichts anderes übrig als zu sterben' Nun erhob sein Schüler Sü Yüo Widerrede und sprach: "Wenn dein Tod für den Fürsten von Yang Tschong nützlich wäre, dann wäre es in der Ordnung, für ihn zu sterben. Weil er ihm aber nicht nützlich wäre, um die Überlieferung der Lehren des Mo Di durch deinen Tod auf der Erde erlöschen wird, ist es nicht sinnvoll zu sterben' ' Mon Schong sagte: " Nein! Ich stehe zum Fürsten von Yang Tschong entweder im Verhältnis des Lehrers oder des Freundes oder des Beamten. Wenn ich nicht für ihn sterbe, werden künftig die Menschen, welche einen ehrwürdigen Lehrer suchen, nicht in der Schule des Mo Di nach ihm suchen, und die, die einen würdigen Freund oder guten Beamten begehren, werden ihn nicht in unserer Schule suchen. Wenn ich aber für ihn sterbe, dann handle ich nach meiner Pflicht als Anhänger des Mo Di und setze sein Werk fort. Das Amt des Schulhauptes werde ich dem Tiän Siang Dsi in Sung überttagen. Tiän Siang Dsi ist ein würdiger Gelehrter, was kann ich da befürchten?" Nun sagte Sü Yüo:"Wenn es so is4 wie ihr sagt dann bitte ich, zuerst sterben zu dürfen, damit ich Euch den Weg bereite.' Er schritt zurück und schnitt sich vor Mong Schong den Kopf ab. Jener sandte nun zwei Jünger, um das Amt des Schulhauptes an Tiän Siang Dsi zu übertragen. Mong Schong tötete sich und 183 Jünger starben mit ihm zusammen. Die beiden Abgesandten wollten, nachdem sie ihren Auftrag an Tiän Siang Dsi überbracht hatten, auch zurückkehren, und in Tschu für Mong Schong sterben. Tiän Siang Dsi versucht sie zurückzuhalten, indem er sprach: "Meister Mong hat die Würde des Schulhauptes bereits auf mich übertragen.' Sie hörten aber nicht auf ihn, kehrten zurück und töteten sich. Die Anhänger des Mo Di meinten, daß sie, wenn sie nicht auf die Worte des Schulhauptes gehör4 und wenn sie nicht die strengen Strafen und hohen Belohnungen gekannt hätten, nicht dazu in der Lage gewesen wären. Heute ist man der Meinung, daß man die Menschen durch strenge Strafen und hohe Belohnungen zur Ordnung rufen kann, das betrachteten jedoch die Leute früherer Zeiten als etwas Nebensächliches.

Höchste Treue widerstrebt dem Ohr und ist dem Herzen zuwider. Wer außer einem weisen Fürsten vermag ihre Worte zu hören. Sie ist etwas, über das sich ein weiser Fürst freut und für den ein unwürdiger Fürst bestraft. Alle Fürsten hassen die Unterdrückung der Schwachen, wenn sie sie aber selbst ausüben, welchen Wert hat dann ihr Haß. Wenn ich zum Beispiel einen Baum besitze, dessen Gedeihen ich mir wünsche, wenn ihn nun jemand täglich begieß4 dann hasse ich das und schneide selbst seine Wurzel ab. Damit werde ich sicher keinen lebendigen Baum behalten. Wenn man jedoch treue Worte verschmäh4 dann ist das der Geis4 welcher selbst die Wurzel abschneidet. Der König Dschuang von Tschu war einst in Yün Mong auf Jagd. Er legte auf ein Rhinozeros an und traf es. Sehen Gung Dsi Pe machte dem König die Beute streitig und nahm sie ihm weg. Der König sagte: "Sie ist doch roh und unehrerbietig", und gab seinen Knechten den Befehl, ihn hinzurichten. Aber die Räte seiner Umgebung widersprachen und sagten: "Dsi Pe ist ein weiser Mann, sich im Dienst des Königs hundertfach verdient gemacht. Sein Benehmen hat sicher einen Grund, den man erforschen muß" Als noch keine drei Monate vergangen, wurde Dsi Pe krank und starb. Der König von Tschu zog in den Krieg und es kam zu einer Schlacht bei Liang Tang, in welcher er einen großen Sieg über den Staat Dsin errang. Nach seiner Rückkehr belohnte er die, welche sich Verdienste erworben hatten. Nun trat derjüngere Bruder des Sehen Gung Dsi Pe vor den Aufseher und bat um eine Belohnung: "Andere haben sich im Krieg Verdienste erworben, mein Bruder hat sich auf der Jagd Verdienste erworben.' Der König sagte: "Was soll das bedeuten?" Er antwortete: "Mein Bruder hat sich an der Seite des Königs den Namen eines rohen und unehrerbietigen Menschen zugezogen und sich der Todesstrafe schuldig gemacht. In seinem törichten Herzen wollte er dem König höchste Treue beweisen, dadurch, daß er ihm zu einem langen Leben verhalf. Mein Bruder las einmal in einem alten Buch, daß derjenige, der ein Rhinozeros tötet in den folgenden drei Monaten sterben müsse. Deshalb fürchtete er um Euer Leben und machte Euch die Beute streitig. Dann traf ihn die Strafe und er starb" Der König befahl, die Bibliothek zu öffnen und in den alten Schriften nachzusehen, und siehe es verhielt sich so. Nun belohnte er den Bruder reichlich. Die Treue des Sehen Gung Dsi Pe war eine schöne Tat. Wer eine schöne Tat im Sinn hat wird nicht dadurch angefeuert daß andere sie kennen und nicht dadurch gehemmt daß andere sie nicht kennen. Der König von Tsi litt an einer Krankheit und er mußte alle genossenen Speisen wieder von sich geben. Er sandte nach Sung, um den berühmten Arzt Wen Dschi rufen zu lassen. Wen Dschi kam, und nachdem er des Königs Krankheit untersucht hatte, sagte er zum Thronfolger: ..Des Königs Krankheit läßt sich zwar heilen, aber wenn ich des Königs Krankheit heile, dann wird er mich töten lassen' " Der Kronprinz fragte:"Warum?" Wen Dschi antwortete: "Wenn man den König nicht in Wut bringt dann kann man seine Krankheit nicht heilen. Erzürne ich jedoch den König, so muß ich sterben.' Da verneigte sich der Kronprinz vor ihm und bat inständig: "Wenn Ihr wirklich die Krankheit des Königs heilt dann werde ich und meine Mutter bis zum Tod dem König entgegentreten und der König wird sicher auf mich und meine Mutter hören. Ihr braucht Euch also nicht zu fürchten.' Wen Dschi sagte: "Ich will durch meinen Tod den König beilen.' Er verabredete mit dem Kronprinzen eine Zeit um mit ihm zusammen zum König zu gehen. Aber als jener zum König gehen wollte, erschien er nicht. Dies machte er dreimal. Darüber wurde der König ernsthaft böse. Als Wen Dschi dann endlich kam, zog er seine Schuhe nicht aus, und stieg mit den Schuhen auf das Lager des Königs, trat auf sein Kleid, indem er sich nach seinem Befinden erkundigte. Der König wurde zornig und redete kein Wort zu ihm. Da tat Wen Dschi einige Äußerungen, welche den König vollends in Wut brachten. Scheltend erhob sich der König und seine Krankheit war geheilt. Der König in seiner Wut ließ sich jedoch nicht beruhigen und befahl, daß man Wen Dschi lebendig in heißem Öl kochen solle. Der Kronprinz und die Königin traten mit allen Kräften für ihn ein, sie konnten aber nichts erreichen. So wurde Wen Dschi in einen Kessel gesteckt und in heißem Öl gekocht. Drei Tage und drei Nächte schmorte er schon, ohne daß sich die gewünschte Wirkung zeigte. Da sagte Wen Dschi: "Wenn Ihr mich wirklich töten wollt dann müßt ihr mich ganz mit dem Dekkel zudecken, so daß die Lebenskraft erstickt" Der König befahl ihn zuzudecken und Wen Dschi starb. Treu zu sein in einer Zeit in der Ordnung herrscht ist leicht aber treu zu sein in einem verkehrten Geschlecht ist schwer. Wen Dschi wußte ganz genau, daß er die Heilung des Königs mit seinem Leben bezahlen müsse. Um des Kronprinzen willen jedoch nahm er diese schwere Tat auf sich, um damit dessen kindlicher Gesinnung entgegenzukommen.

Hier meine Bücher im Internet, oder bestellen Sie mit der entsprechenden ISBN - Nr. beim nächsten Buchhandel.


Sonderangebote direkt vom Autor:

 

Die Anzeige der Dokumente dieser HP innerhalb von Frames durch andere Internetanbieter sind ausdrücklich untersagt.


Counter