Chinesische Weisheiten
Hohe Weisheiten aus dem fernen Osten, die heute noch ihre Gültigkeit haben.

Lau Dan (6. Jh. v. Chr.)

Wahre Worte sind nicht schön, Schöne Worte sind nicht wahr. Tüchtigkeit überredet nicht Überredung ist nicht tüchtig. Der Weise ist nicht gelehrt Der Gelehrte ist nicht weise. Der Berufene häuft keinen Besitz auf. Je mehr er für andere tut Desto mehr besitzt er. Je mehr er anderen gibt Desto mehr hat er. Werft weg eure Weltweisheit und wie die Kinder werdet ihr werden. Wäre mir Erkenntnis genug gegeben Zu wandeln in des großen Geistes Bahn, Würde eins ich nur fürchten: zu viel zu tun. Denn der große Geist ist sehr einfach, Doch das Volk liebt Seitenwege. Wo hochragende Paläste entstehn, Sind die Felder voll Unkraut und die Speicher leer. Geschmückte und bundfarbne Kleider tragen, Mit scharfen Schwertern sich gürten, Ausschweifend im Essen und Trinken sein, Kostbarkeiten im Überfluß haben: Das ist der Ruhm von Dieben, Aber nicht der des Geistes. Ein großes Reich muß man leiten sachte, wie man kleine Fischlein brät. Wer reinigt und läutert sein inneres Schauen, der mag wohl seiner Fehler ledig werden. Wer seine Leute liebt als Herrscher des Reichs, der mag wohl ohne Handeln wirken können. An seinem Ich mißt man Menschen, an seiner Familie Familien, an seiner Gemeinde Gemeinden, an seinem Reich Reiche. Große Vollkommenheit erscheint unzulänglich, Doch ihre Wirkung ist unvergänglich. Große Fülle erscheint wie leer, Und doch erschöpft sie sich nimmerrnehr. Große Gradheit erscheint wie krumm. Große Klugheit erscheint wie dumm. Große Beredheit erscheint wie stumm. Bewegung überwindet Kälte. Ruhe überwindet Hitze. Reinheit und Ruhe sind das Richtmaß der Welt. Beim Denken zeigt sich die Güte in der Tiefe. Beim Schenken zeigt sich die Güte in der Liebe. Beim Reden zeigt sich die Güte in der Wahrheit. Beim Walten zeigt sich die Güte in der Ordnung. Beim Wirken zeigt sich die Güte im Können. Der Mensch ist weich und schwach, wenn er geboren wird, fest und stark, wenn er stirbt. Kräuter und Bäume sind weich und saftig, wenn sie entstehen, dürr und hart wenn sie sterben. Denn das Feste und Starke gehört dem Tode, das Weiche und Schwache gehört dem Leben.

Mo Di (5. Jh. v. Chr.)

Der Edle ordnet sich beim Kampf zwar in eine Schlachtreihe ein, jedoch ist Mut dabei das Ausschlaggebende. Bestimmte Zeremonien gibt es zwar bei einer Begräbnisfeier, doch Trauer ist dabei die Hauptsache. Ein Gelehrter verfügt zwar über Wissen, doch ist seine Handlungsweise das Entscheidende. Jemand, der noch keine feste Grundlage hat sollte sich nicht um einen glücklichen Ausgang kümmern. Jemand, der sich nicht mit seiner Nachbarschaft verständigt hat sollte nicht nach der Ferne streben. Bevor man mit seiner Verwandtschaft nicht ins Reine gekommen ist sollte man sich nicht um Beziehungen nach außen bemühen, und ehe man nicht seine eigenen Angelegenheiten geordnet hat sollte man sich nicht auf andere Geschäfte einlassen. Solange die einfachsten Dinge noch nicht klar sind, sollte man sich nicht schon um umfassende Bildung bemühen. So regierten auch die ersten Herrscher das Reich, sie prüften das Näherliegende und gingen dann erst zu dem weiter entfernt liegenden weiter. Auch der Edle prüft zunächst das Naheliegende, das bedeutet für ihn die Kultivierung des eigenen Selbst. Wenn er seine eigene Handlungsweise nicht kultivieren würde würde er verfallen, deshalb beschäftigt er sich zunächst mit sich selbst. Er prüft wo er mit sich selbst nicht zufrieden ist und bemüht sich um Besserung. Verleumderische Worte dringen nicht an sein Ohr, gehässige Reden kommen nicht aus seinem Mund, der Gedanke, ein Menschenkind zu töten oder zu verletzen, findet keinen Platz in seinem Herzen und auch Denunzianten traut er nicht. Dadurch leistet der Edle in seiner angestrengten Arbeit täglich mehr, seine Wünsche werden täglich weniger; Kraft und Fülle nehmen täglich zu. Dies ist der Weg des Edlen. Bescheidenheit zeigt er in Armut Rechtschaffenheit im Wohlstand. Lebenden gegenüber zeigt er sich liebevoll, angesichts des Todes ist er voll Trauer. Diese vier Seiten seines Verhaltens dürfen nicht hohl und falsch sein, deshalb geht er in sich. Ohne je zu erschöpfen, kommen in seiner Liebesbetätigung sein inneres Gefühl zum Ausdruck in seiner Körperhaltung, seiner Ehrfurcht in seinen Äußerungen seine Gelehrsamkeit; sie beherrschen alle seine Glieder und dringen bis in die äußere Haut vor. Selbst wenn ihm das weiße Haar ausgeht hält er noch daran fest. Ist er nicht wie ein Heiliger? Dort wo Willenskraft nicht stark ist reicht auch Einsicht nicht aus, und wo Worte kein Vertrauen verdienen, ist auch das Verhalten nicht echt. Wer von seinen Gütern nicht anderen zu geben vermag, ist nicht als Freund geeignet. Wer seine Prinzipien nicht ernst nimmt und die Dinge um sich nicht kennt wer bei Diskussionen über wahr und falsch nicht sorgfältig urtei1t ist nicht für den Umgang geeignet. Do M wo die Wurzel nicht kräftig ist ist sicher auch der Wipfel dürftig. Wenn ein Starker nicht an sich arbeitet wird er bald erschlaffen. Aus trüber Quelle fließt kein klares Wasser. Wenn man der Handlungsweise eines Menschen nicht trauen kann, ist bald sein guter Ruf zerstört. Ein guter Ruf kommt nicht und man wird nicht grundlos gepriesen. Außergewöhnliche Leistungen bringen einen guten Ruf. Weil Ruf und Lobpreisungen nicht leer und falsch sein dürfen, geht man in sich. Wenn man sich mit Reden hingibt und das Handeln vernachlässigt wird einem trotz aller Erörterungen doch keiner zuhören, auch wenn man sich noch so anstrengt sich aber seiner Verdienste rühmt wird man trotz aller Mühen nichts erreichen. Die Verständigen wägen alle Angelegenheiten in ihrem Herzen, aber sie reden nicht viel. Sie geben sich viel Mühe und rühmen sich aber doch nicht ihrer Verdienste. So breitet sich ihr Ruf und ihr Ruhm in der ganzen Welt aus. Bei Worten ist es nicht die Anzahl, sondern die Verständigkeit auf die es ankommt nicht die literarisch schöne Form, sondern die Überlegtheit. Wer deshalb nicht jene Verständigkeit zum Ziel seiner Überlegungen macht schlägt den falschen Weg ein. Wenn das Gute im Herzen keinen festen Platz hat dann dauert es nicht lange, und wenn das Handeln nicht im eigenen Selbst des Handelnden erwogen ist dann hat es keinen Bestand. Ein guter Ruf erwirbt sich nicht im Nu, und Ruhm läßt sich nicht durch Scharlatanerie begründen. Der Edle achtet auf seine eigene Handlungsweise. Wer ständig nach seinem Vorteil trachtet und nur gelegentlich nicht auf seinen Ruf bedacht ist der konnte noch niemals als Gelehrter in der Welt gelten.

Der Heilige, welcher sich die Ordnung des Reiches zur Aufgabe macht muß wissen, wodurch Verwirrung entsteht damit er sie beseitigen kann. Wüßte er nicht wodurch Verwirrung im Reiche entsteht, wäre er nicht in der Lage, Ordnung herzustellen. Das ist genauso wie bei einem Arzt welcher die Krankheit eines Menschen überwinden will; er muß wissen, wodurch die Krankheit entsteht damit er in der Lage ist sie zu bekämpfen. Weiß er aber nicht wodurch die Krankheit entsteht dann ist er auch nicht in der Lage sie zu bekämpfen. Sollte es bei einem anders sein, welcher Verwirrung steuern will? Er muß die Ursache der Verwirrung wissen, damit er imstande ist sie zu steuern. Weiß er aber die Ursache der Verwirrung nicht, dann ist er auch dazu nicht in der Lage. Der Weise, welcher sich die Ordnung des Reiches zur Aufgabe stellt, kommt also nicht umhin, Ursachen der Verwirrung zu untersuchen. Forscht er nach, wodurch die Verwirrung entsteht dann wird er entdecken, daß sie in dem Mangel an gegenseitiger Liebe ihre Ursachen hat. Wenn Untertanen und Söhne ihren Fürsten und Vätern keine kindliche Pietät zeigen, dies nennt man Verwirrung. Der Sohn liebt nur sich und nicht seinen Vater, er schädigt seinen Vater und nützt nur sich selbst. Der jüngere Bruder liebt nur sich und nicht seinen älteren Bruder, er versagt dann diesem gegenüber und nützt nur sich selbst. Der Untertan liebt nur sich und nicht seinen Fürsten, er versagt daher gegenüber diesem und nützt nur sich selbst. Das ist das, was wir die allgemeine Verwirrung nennen. Wenn sogar der Vater gegenüber seinem Sohn, der ältere Bruder gegenüber seinem jüngeren oder der Fürst gegenüber seinem Untertanen keine liebevolle Gesinnung hegt dann ist dies ebenso ein Zustand, welchen man Unordnung im Reiche nennt. Der Vater liebt nur sich und nicht seinen Sohn, er schadet deshalb diesem und nützt nur sich selbst. Auch der ältere Bruder liebt nur sich und nicht seinen jüngeren Bruder, er schadet deshalb diesem und nützt nur sich selbst. Der Fürst liebt sich und nicht seine Untertanen, er schadet deshalb diesen und nützt nur sich selbst. Weshalb ist das so? Dies alles ist eine Folge von Mangel an gegenseitiger Liebe. Selbst bei Dieben und Räubern im Reich verhält es sich ebenso; die Diebe lieben nur ihr eigenes Haus und nicht das der anderen, deshalb bestehlen sie andere Häuser, um ihrem eigenen Haus Vorteil zu verschaffen. Die Räuber lieben nur sich und nicht die anderen Menschen, deshalb berauben sie diese, um sich selbst zu nützen. Wodurch entsteht das? Dies alles ist eine Folge von Mangel an gegenseitiger Liebe. Wenn die Würdenträger ihre Familien gegenseitig in Unordnung bringen und die Lehnsfürsten sich untereinander bekriegen, dann ist es ebenso. Die Würdenträger lieben ihre eigene Familie und nicht die der anderen, deshalb zerrütten sie sie, um ihrer eigenen zu nützen. Die Lehnsfürsten lieben ihren eigenen Staat und nicht die anderen, deshalb bekriegen sie die anderen Staaten, um ihrem eigenen Staat zu nützen. Alle Fälle von Verwirrung im Reich sind darin enthalten. Untersucht man, worin ihre Ursache liegt dann ist es immer der Mangel an gegenseitiger Liebe. Angenommen, im Reich würden alle einander lieben und jeder würde den anderen so wie sich selbst lieben. Gäbe es dann noch pietätloses Verhalten? Wenn man seinen Vater, seinen älteren Bruder und seinen Fürsten ansieht wie sich selbst gegen wen könnte man dann seine pietätlosen Gefühle richten? Gäbe es einen Mangel an liebevoller Güte, wenn man seinen jüngeren Bruder, seinen Sohn oder seinen Untergebenen ansieht wie sich selbst? Wogegen sollte man diesen Mangel an liebevoller Güte wenden? Dann werden Pietätlösigkeit und Mangel an liebevoller Güte aufhören zu sein. Wie kann es noch Diebe und Räuber geben, wenn man das Haus des anderen betrachtet wie sein eigenes? Wer wird dann noch stehlen, wenn man den anderen betrachtet wie sich selbst? Wer wird dann noch rauben? Es wird dann keine Diebe und Räuber mehr geben. Werden hohe Beamte anderen Häusern Unheil bringen, oder Lehnsfürsten andere Staaten angreifen, wenn sie das Haus des anderen ansehen wie ihr eigenes? Wer kann dann noch Verwirrung stiften? Wer, wenn sie die anderen Staaten betrachten wie ihren eigenen, wird dann noch angreifen? Dann wird es das gegenseitige Verderben der Familien bei den hohen Beamten und das gegenseitige Angreifen unter den Lehnsfürsten nicht mehr geben. Wenn man im Reiche die gegenseitige Liebe aller stiften kann, dann werden die Staaten sich nicht gegenseitig angreifen, die Familien sich nicht gegenseitig verderben, es wird keine Diebe und Räuber geben, Fürsten und Untertanen, Vater und Sohn, alle werden kindliche Liebe und liebevolle Güte pflegen können. Wenn dies so ist dann ist das Reich wohlgeordnet. Weshalb sollte dann der Heilige, welcher sich die Ordnung des Reiches zur Aufgabe gemacht hat nicht den Haß verhindern und zur Liebe zu ermuntern? Wenn sich im Reiche alle gegenseitig lieben, dann wird es wohl geordnet sein; wenn sie sich aber gegenseitig hassen, dann wird Verwirrung herrschen. Darum sagte Meister Mo Ti: Man muß die Menschen unbedingt zur Liebe ermahnen.

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