Der Hinduismus ist die am weitesten verbreitete indische
Volksreligion.
Im Vergleich zu den anderen Religionen,
beträgt
der Hinduismus
82,6 %
der Moslem
11,4 %
das Christentum
2,4 %
die Sikhs
2,0 %
der Buddhismus
0,7 %
und sonstige religiöse Gemeinschaften
0,9% des Anteils der ind. Bevölkerung. ( Stand : 1994)
Die verbreitetste indische Religion (auch in Pakistan,
Afrika). Ohne Stifter entstanden durch Verschmelzung arischer und
vorarischer Kulte im 8. Jh. v.Chr. (Upanischaden-Zeit).
Religiöses und soziales System (die Menschen
stehen abgestuft in der Weltordnung der Kasten und sind der Ethik
ihrer Kaste verpflichtet). Ohne feste Dogmatik fordert der Hinduismus
Gehorsam gegenüber den Brahmanen, Anerkennung der Heiligen
Schriften des Veda, Heilighaltung des Rindes, Glaube an Karma, die
moralische Vergeltung der Werke und an die Wiedergeburten bis zum
Aufgehen und zur Verklärung im Weltgeist oder in Selbsterlösung
(Qualen und Leiden sind nicht göttliche Strafen, sondern Folgen
der Sünde).
Hauptgottheiten Schiwa (der Große Gott, der
Herr der Welt, der Gnädige, Mondbekränzte, Besieger des
Todes), Wischnu (der Himmelskönig, Welterhalter, Allgewaltige,
Herr des Paradieses); Durya (die weibliche Macht der Gottheit, Weltenmutter);
über und mit ihnen (weniger verehrt) Brahma, Symbol des Absoluten.
Jede der Gottheiten hat ihre besonderen Kulte und Verehrer, die
auch die Gottheiten der übrigen Gläubigen anerkennen;
die Gottheiten manifestieren sich auch in niedrigen, ihnen dienenden
Untergöttern und Volksgottheiten. Allen gemeinsam ist die Ausübung
des Yoga, der geistigen Konzentration zur Befreiung des Geistes
aus den Fesseln des Leibes. In diese Welt der höheren Gottheiten
bauen sich die Dämonen und Geister und die Sondergötter
des einzelnen, des Dorfes und der zahlreichen Sekten mehr oder weniger
ein.
Die Tempel, aus der einfachen Zelle erwachsend, sind
Modelle der Welt mit dem ragenden Überbau als dem Sinnbild
des Weltberges. Hindupriester und Klostermönche entfalten die
reiche, wuchernde Liturgie und versehen den Tempeldienst.
Der Hinduismus beeinflusste auch den Buddhismus (beginnende
Vergöttlichung Buddhas).
Das
Wesentliche
In kurzen Zügen das Wesentliche
des Hinduismus anzudeuten, ist ein sehr gewagtes Unternehmen. Das
Folgende soll
verstanden werden als ein subjektiv gefärbter
Versuch, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Außerdem
kann das
Wesentliche nicht aus Büchern entnommen werden,
es kann teilweise erfahren werden durch die Teilnahme am indischen
Leben, den Besuch eines Pujas (auch Pooja/Gottesdienst);
Gespräche mit Hindus, Swamis, Sadhus, Teilnahme an einer
Leichenverbrennung, Leben in einem Ashram etc.. Schwierig
ist der Hinduismus auch deshalb zu erfassen, weil er keinen
Religionsstifter kennt. Er hat keine geschlossene
dogmatische Lehre. Viele haben ihn bereits definiert, und er erneuert
sich
ständig selbst, indem Menschen von dem hinduistischen
Gedankengut inspiriert werden oder in den hinduistischen Schriften
(siehe auch 'klassische indische Dichtung') Gedanken,
Erklärungen und Erfahrungen wiederfinden, die ihnen ermöglichen,
eigene
Erlebnisse in Worte zu fassen. Zu diesen Menschen
gehören Ramakrishna, Vivekananda,
Yogananda, Ramana Maharshi,
Muktananda, Ma Anandamayee, Sathya Sai Baba und viele
andere.
Sie und die durch sie inspirierten Schüler haben
das Mosaik der Erkenntnis noch vielfältiger und vielfarbiger
werden lassen, aber alle haben betont, daß das Wesentliche
immer dasselbe ist und bleibt.
Das
großen Glaubenssystem des Hinduismus:
Die
meisten Hindus verehren eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen,
etwa 300 000. Diese verschiedenen Götter laufen alle in
einem Universalgeist zusammen, der die letzte Wirklichkeit
oder Brahman heißt. Brahman ist kein Gott, sondern eher eine
Bezeichnung für das vollkommene Prinzip.
Hindus glauben, daß ihre Stellung im Leben
sich auf ihre Taten in einem früheren Leben gründet. Wenn
ihr Verhalten schlecht war, müssen sie in diesem Leben vielleicht
unsägliche Mühen erfahren. Das Ziel eines Hindus ist,
vom Gesetz des Karma, den ständigen Wiedergeburten, frei zu
werden. Das Leben ist Leiden. Diesem muß man entkommen.
Es gibt drei Möglichkeiten, den Kreislauf des
Karma zu durchbrechen:
1. Man verehrt voller
Liebe einen der Hindugötter oder -göttinnen.
2. Man nimmt durch
Meditation des Brahmans (=Einheit) an Wissen zu, um festzustellen,
daß die Lebensumstände nicht
wirklich sind, daß
das Selbst eine Illusion ist und nur Brahman wirklich ist.
3. Man führt
verschiedene religiöse Zeremonien und Rituale durch.
Was ist das Attraktive am Hinduismus?
Der Mensch hat die Freiheit auszuwählen, wie
er sich zur geistlichen Vollkommenheit hinarbeitet. Außerdem
hat der Hinduismus eine Erklärung für das Leiden und für
das Böse in der Welt. Im Hinduismus ist das Leiden, das jemandem
widerfährt - ob Krankheit oder Hunger oder ein Unglück
-, dieser Person selbst zuzuschreiben, ihren
eigenen bösen Taten, die sie meist in einem früheren
Leben begangen hat. Nur die Seele zählt, und diese wird eines
Tages vom
Kreislauf der Wiedergeburten frei und zur Ruhe gekommen
sein.
Gemeinsamkeiten
des Hinduismus mit dem Christentum:
Die beiden Religionen Hinduismus und Christentum sehen
auf den ersten Blick sehr verschieden aus. Diese Eindeutige Feststellung
liegt hauptsächlich in der unterschiedlichen Anzahl der Götter.
Außerdem wirkt der Hinduismus für mich als Christ sehr
viel lebendiger
und farbenfroher. Ein schillerndes Problem dieser Religion
ist aber in meinen Augen eindeutig das sehr konservative, strenge
Kastenwesen, das die Gesellschaftlichen Geschicke Indiens doch stark
mit bestimmt. Trotz dieser anscheinend vieler Unterschiede gibt es
zwischen
diesen beiden Weltreligionen auch Gemeinsamkeiten.
GEMEINSAMKEITEN:
Ebenfalls
wie im Christentum wird auch im Hinduismus ein personifizierter
Gott angebetet, auch wenn die Vorstellung dieser Göttlichenwesen
sehr viel konkreter ist als bei uns im
Christentum.
Dieser Gott bzw. diese Götter sind als Mensch
auf die Erde gekommen. Der christliche Gott schickte seinen Sohn
Jesus Christus als Messias auf die Erde um den Menschen seine Existenz
und Taten sehen zu lassen. Jesus Christus starb am Kreuz und konnte
drei Tage später wieder von den Toten auferstehen. Eine solche
Menschwerdung göttlicher Wesen
gibt es im Hinduismus noch viel häufiger. Im
Hinduismus waren die Götter ursprünglich ganz normale
Menschen und wurden erst zu Göttern. In diesen menschlichen
Status kehren diese Götter jedoch in sehr verschiedenen Formen
zurück.
Beide Religionen haben heilige Schriften auf denen
sich ihre Religion beruft. Bei den Hindus sind das die Veden, die
aus vier Teilen bestehen:
1.Rig-Veda (Wissen der Verse) Götterhymnen
2.SamaVeda (Wissen der Gesänge)
Texte und Lieder zum Vorsingen bei Opferfeiern
3.Yajur-Veda (Wissen der Opfersprüche)
Gebete der Gläubigen während einer
Opferung
4.Atharva-Veda (Wissen der „Feuerpriester“)
Sammlung von okkulten Texten und
Ritualen für die Gläubigen
Bei den Christen ist dieses die Bibel, die hingegen
der Veden nur ein sechstel mal so umfangreich ist.
Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Religionen
liegt in der Ausübung des Glaubens. In beiden Religionen sind
Wallfahrten zu heiligen Orten, Plätzen oder Stellen sehr beliebt.
An diesen Orten wird dann ein spezieller Heiliger, wie bei den Katholiken,
oder ein bestimmter
Gott, wie bei den Hindus verehrt.
Genau so wie die Christen glauben auch die Hindus
an eine menschliche Seele. Und genau wie im Christentum steigt die
menschliche Seele nach dem Tod in den Göttlichen Himmel empor.
Bei den Hindus ist es so, das die Seele in die nähe des Gottes
kommt, den der Mensch im Leben verehrt hat.
In beiden Religionen wird mit Hilfe
von Priestern versucht, eine nähere Beziehung zu Gott zu bekommen.
Im Hinduismus dient der Priester nach stärker als im Christentum
zum ausüben der Opferungen und Gebete in den Tempeln.
Bräuche
der Hindus
- Frauen essen erst nach Männern
- Heilige Waschung : der Hinduismus besagt, daß
man durch Arbeiten, Essen, Berührung von Leichen, Leder bzw.
anderen
organischen Materialien, usw. immer mehr verunreinigt
wird. Durch die hl. Waschung erreicht ein Hindu den Zustand höchster
Reinheit und somit den besten Zeitpunkt zu einer religiösen
Andacht.
- Gläubige Hindus beten am Ganges und verbrennen
dort auch ihre Toten.
- Witwen dürfen nicht mehr heiraten.
- Witwenverbrennung (welche heute verboten ist):
Witwen ließen sich damals samt dem Leichnam ihres Mannes verbrennen,
um so Ruhm und Ehre für ihre Familie zu bekommen.
- Pilgerfahrt
Religiöse
Feste und Zeremonien der Hindus
indus feiern viele Feste und Zeremonien. Die wichtigsten
Zeremonien werden, wie bei uns, bei Geburt, Hochzeit und Bestattung
veranstaltet.
Hindus feiern meist jeden Tag Gottesdienste, welche
zu Hause von einem Familienmitglied veranstaltet werden. Dazu
wird eine
Götterstatue aufgestellt, eine Öllampe
oder Räucherstäbchen angezündet und Opfergaben
(z.B. Speisen, Getränke,etc.) ihrem Lieblingsgott weihen.
Das
Kastensystem
ndien ist seit langem zahlreichen Einflüssen
ausgesetzt. Aber selbst die vielen Ideen und Waren aus anderen
Ländern, die vielen
Einwanderer und Eroberer, konnten nicht das in früher
Vorzeit entstandene System gesellschaftlicher Ordnung und gleichzeitiger
Isolation unterspülen: Das Kastensystem. Das
Kastensystem ist eine streng geordnete gesellschaftliche Hierarchie.
Eine Kaste ist: streng nach dem Glauben gerichtet und nur aus
Leuten die genau den selben Beruf ausüben (heutzutage ist
das nicht immer der Fall) bestehende Gesellschaftsgruppe. Sie
ist nach außen streng abgeschlossen, d.h. die Mitglieder
dieser Kaste dürfen keine Beziehungen zu anderen Kastenmitgliedern
anderer Kasten haben, denn sie dürfen nur untereinander Kontakt
pflegen bzw. heiraten.
Ich möchte drei Punkte zu diesem Thema hervorheben:
1. Die Hauptkasten
2. Das Leben in einer Kaste
3. Geschichte (Entstehung)
1. Die Hauptkasten
Die Kasten bilden eine streng hierarchische Ordung.
Die oberste Kaste, deren Mitglieder das hoechste Ansehen geniessen,
ist die Priesterkaste der Brahmanen. Ihr folgen die Kriegerkaste
(Kshatriya), Händler- und Grundbesitzerkaste (Vaishya) und
eine Kaste fuer bestimmte Handwerker und einfachere Berufe (Shudra).
Unter diesen vier Hauptkasten stehen die Unberuehrbaren (Outcasts,
Parias). Sie muessen die niedrigsten Arbeiten verrichten und gelten
als "unrein".
Die Kasten spalten sich in viele Unterkasten auf.
2. Das Leben in einer Kaste
Die Kastenzugehörigkeit regelte frueher das
Leben des einzelnen bis ins Detail: Die Geburts-, Heirats- und Totenzeremonie,
wie man sich zu kleiden, was man zu essen hatte und was nicht, mit
wem man Umgang pflegen durfte und auf welche Weise.
Außerdem durften Angehörige höherer
Kasten nicht mit denen niederer Kasten verkehren. Jeder wusste von
frühster Kindheit an, dass er seine religiösen und ethischen
Pflichten in seiner Kaste (Dharma) befolgen musste, wenn er den
sozialen Schutz seiner Kaste nicht verlieren und im nächsten
Leben nicht als Angehöriger einer niederen Kaste oder sogar
als Tier wiedergeboren werden wollte. Auflehnung gegen das Dharma
gefährdete die eigene Existenz, die bedingungslose Befolgung
erhöhte die Chancen auf eine vorteilhaftere Wiedergeburt.
Ein Beispiel: Den Hindus verbot der Glaube, die schwarzen Wasser
zu überqueren. Taten sie es dennoch, verhängte der Kastenälteste
schwere Strafen über sie – bis zum Ausschluß aus der
Kaste, was einem Todesurteil gleichkam; denn nun durften die Betroffenen
nicht einmal mehr den gemeinsamen Brunnen benutzen.
3. Geschichte (Entstehung)
Das Kastensystem ist vor mehr als dreitausend Jahren
aus Stammes- und Sippen- Überlieferungen hervorgegangen und
durch die fortschreitende Arbeitsteilung immer weiter ausgebaut
worden. Es widerstand allen Angriffen von innen und von außen.
Seine Hauptpfeiler – der Glaube an die Wiedergeburt
in höherer oder niederer Form (das Kharma) in Abhängigkeit
von der Befolgung des Dharma – wiesen jedem Menschen von Geburt
an einen festen Platz in der Gesellschaft zu.
Mehr
über das Kastensystem
Der
Hinduismus beeinflußt das ganze indische Leben von der Geburt
bis zum Tod. Religion und Alltag sind nicht voneinander zu trennen.
Der Hinduismus ist keine Sonntagsreligion.
Der frühe Hinduismus entstand zwischen 1000
und 200 v.Chr. (auch Brahmanismus genannt) durch die Vermischung
des nichtarischen einheimischen Drawidenglaubens und der alten
arischen Vedenreligion, die die eindringenden Arier (Arya) mitbrachten.
Diese sicherten sich damit auch die politische Macht, indem die
Brahmanen, die höchste Kaste, allein für die richtige
Ausführung der Opferhandlungen zuständig waren. Die
Gottheiten der vedischen Zeit waren vor allem Agni, der Gott des
Opferfeuers, Surya, der Sonnengott, und Indra, der Gewitter- und
Regengott.
Es gab 1028 Opfergesänge zur Anrufung der Götter.
Im 8.Jh.v.Chr. wurden die Upanishaden, die ältesten
philosophischen Schriften der Inder und wahrscheinlich auch der
ganzen Menschheit, aufgeschrieben, einhergehend mit einer Veränderung
des Brahmanismus in Richtung des heutigen Hinduismus.
Die hinduistischen Reformbewegungen, die sich vor
allem gegen das rigorose Kastensystem wandten, Buddhismus, Jainismus
und später der Islam übten ihren Einfluß auf den
Hinduismus aus, dem es aber bis heute immer wieder gelang, neue
Denkanstöße zu integrieren. So wurde aus
Buddha einfach eine Inkarnation Vishnus, und er
ist so ins hinduistische Denken eingebaut.
Es braucht also keinen zu verwundern, wenn er bei
gutgläubigen Hindus gleichzeitig Bilder von Vishnu, Shiva,
Buddha und Jesus einträchtig nebeneinander an der Wand findet.
Ich habe bei fast allen Hindus auch eine große Toleranz
in religiösen Dingen erlebt. Sie würden nie auf die
Idee kommen, einen Christen zum Hinduismus bekehren zu wollen;
der Missionsgedanke ist ihnen fremd. Für sie gibt es viele
Wege, die Erleuchtung, Erlösung, das Nirvana, das Moksha
- oder wie die vielen anderen Namen für das einzig angestrebte
Ziel heißen - zu erreichen. Jedem Hindu ist es auch freigestellt,
den Gott zu verehren, der ihm am
besten gefällt oder gerade Abhilfe in der momentanen
Problemlage schaffen kann. So wird jemand vielleicht Ganesh (Sohn
von
Shiva und Parvati), den beliebten Gott mit dem Elefantenkopf
und dem dicken Bauch, anbeten, weil er alle Hindernisse aus dem
Weg schaffen kann und als Gott der Weisheit gilt. Bei finanziellen
Problemen wendet man sich dagegen an einen anderen, speziell dafür
zuständigen Gott. Für den Hindu sind die verschiedenen
Gottheiten nur Ausdruck und Manifestationen der verschiedenen
Aspekte des Göttlichen.
Wie schon betont, werden Brahma, Vishnu, Lakshmi,
Parvati oder Kali nicht als mehrere nebeneinander existierende
Götter verstanden, sondern sind letzten Endes nur Manifestationen
und Symbole für das Absolute, das für den Verstand nicht
mehr faßbar ist, für das Brahman oder Atman.
Brahman wird gemeinhin als Weltseele definiert,
während Atman die Einzelseele darstellt. Mit dem Verhältnis
Atman zu Brahman beschäftigen sich vor allem die Upanishaden.
Der Hinduismus schließt alles ein, sowohl
den Glauben und die Begegnung mit einem oder auch mehreren Göttern,
als auch die buddhistische Position, daß es keinen Gott
gibt ;dafür gibt es dann bei den Buddhisten die Erleuchtung
und das Nirvana und bei den Hinduisten das Brahman. Deshalb gibt
es auch so viele Untergruppen, die von streng asketischen, triebunterdrückenden
Positionen bis zu einer tantristischen Position, die sexuelle
Energie als Mittel zur Erreichung des Ziels
einsetzt, reichen. Weiterer wichtiger Bestandteil
des Hinduismus ist das
Wissen um die Wiedergeburt, eine Lehre, die sowohl
der Buddhismus vom Hinduismus übernommen hat, als auch das
frühe Christentum. Jedes Lebewesen hat eine unsterbliche
Seele (atman), die darauf drängt, nach dem Tode wiedergeboren
zu werden. Je nach dem persönlichen Karma, d.h. nach den
positiven und negativen Handlungen, Gedanken und Bedürfnissen,
wird jeder in einer bestimmten Gestalt wiedergeboren. Da auch
die Möglichkeit einer Wiedergeburt als Tier besteht, sind
strenggläubige Hindus gegen jegliches Töten
von Tieren. Wunsch aller Hindus ist es, diesem ewigen Kreislauf
von Tod und Wiedergeburt zu entkommen und das Nirvana, das Einswerden
mit dem Brahman, dem Ewigen und Absoluten, zu erreichen.
Meditation, Yoga, Askese sind Hilfsmittel auf diesem
Weg wie auch die Arbeit mit einem Guru.
Der Hindu versucht, dem Dharma (Gesetz) entsprechend
zu leben. Das Dharma beschreibt die moralischen und sittlichen
Werte, das
gesellschaftliche Leben, die Regeln der Kaste und
auch das universelle Gesetz. Das universelle Dharma erklärt
für den Hindu auch, daß wir zur Zeit im Kaliyuga leben,
einem Zeitalter, das mit dem Niedergang der Werte und der Hinwendung
zum Materiellen verbunden ist. So wie das menschliche Leben Tod
und Wiedergeburt unterworfen ist, ist auch das Universum einem
solchen Wechsel unterworfen. Auf Zeiten, in denen sich die Menschheit
ganz im Materiellen zu verlieren droht, folgen sprituelle Perioden,
in denen die Menschheit höhere geistige Fähigkeiten
besitzt und neue Hochkulturen entstehen. Zu früheren Zeiten
war das Leben des Hindus in vier Phasen unterteilt: Kindheit,
Zeit des Lernens, Zeit der Familiengründung und des Besitzerwerbens
und die Phase, in der jeglicher weltlicher Besitz aufgegeben wurde,
um sich ganz dem Spirituellen zu widmen.
Aus dem Wissen um die Wiedergeburt ergibt sich auch
ein ganz anderes Verhältnis zum Tod. Der Tod ist etwas Natürliches,
der alte Körper
wird aufgegeben, und die Seele wartet auf ihre neue
Inkarnation in einem neuen, jungen Körper. Die Seele ist
ewig, sie ist Teil des Höchsten, aber auch getrennt davon,
und dies ist der Grund für das Verbleiben im Samsara, im
ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Sie muß immer
wiederkehren, um sich in immer reinere und bewußtere Formen
zu verwandeln und am Ende zu ihrem Ursprung zurückzukehren,
wieder eins zu werden mit dem Brahman. Alles Leben führt
zu diesem Ziel hin, und die Menschen wissen, daß selbst
ein Buddha Hunderte
von Leben brauchte, um zum Buddha, zum Erleuchteten, zu werden.
Warum deshalb unglücklich sein mit dem jetzigen
Leben? Der in diesem Glauben lebende Inder ist voller Zuversicht
und kann auch noch im größten Elend glücklich
sein. Gerade in Bettlern oder Behinderten habe ich oft sehr starke
und liebende Persönlichkeiten erlebt, von denen ich tausendmal
mehr Liebe empfing, als ich ihnen durch Geld hätte beweisen
können. Ich mußte nur erst lernen, mich nicht vom äußeren
Elend abschrecken zu lassen und hinzusehen, um diesen inneren
Reichtum zu
erleben.
Die
Götter:
Brahma
Brahma hat vier Köpfe, die seinen vollständigen
Überblick als Weltenschöpfer symbolisieren. Jedem Gott
ist ein Reittier zugeordnet. Brahmas Reittier ist Hamsa, die Wildgans.
Zu ihm gehört seine Gefährtin Sarasvati, Göttin der
Kunst und des Wissens. Sie wird mit der Vina, einem Saiteninstrument,
dargestellt.
Vishnu
Vishnu ist der Welterhalter. Er steht entweder auf
einem Lotus (Zeichen der Reinheit) oder fliegt auf dem Vogel Garuda
oder liegt auf einer Schlange. In seinen vier Händen hält
er Diskus, Meermuschel, Lotusblüte und Keule. Seine Gefährtin
ist Lakshmi, die Göttin der Schönheit, des Glücks
und des Reichtums. Vishnu inkarniert sich von Zeit zu Zeit, um das
Dharma (Gesetz) auf der Erde aufrecht zu erhalten. Seine letzten
Inkarnationen sind Rama, Krishna und Buddha. Folgen soll noch die
zehnte Inkarnation, der Kalkinavatar. Ramas Taten und Leben mit
seiner Gefährtin Sita sind im Ramayana niedergeschrieben.
Shiva
Shiva ist zugleich der Zerstörer und Erneuerer.
Er kann viele Formen annehmen. Manchmal erscheint er als Asket mit
einem Tigerfell bekleidet. Die meisten der Sadhus beziehen sich
auf ihn, manche tragen auch den Shiva-Dreizack mit sich. Shiva wird
nachgesagt, daß er Ganja raucht. Deshalb trifft man in Nordindien
und Nepal besonders viele Sadhus mit Shilloms. Shivas Reittier ist
der Bulle Nandi. Seine Gefährtin ist Parvati, die Mutter von
Ganesha und Skanda, dem Kriegsgott mit dem Pfau, und ferner eine
schöne, manchmal exzentrische Göttin. Sie hat genauso
wie Shiva den Doppelaspekt von Erhaltung und Zerstörung. Parvati
ist das Sinnbild der lebensspendenden, lebenserhaltenden Mutter.
Im Shaktismus ist sie die Verkörperung der göttlichen
Energie (shakti), ohne die der in sich ruhende Gott Shiva seine
Funktion nicht erfüllen könnte. Verkörpert sie den
Aspekt der Zerstörung, wird sie Kali oder Durga genannt. Kali
ist schwarz und tanzt mit einer Kette von Menschenschädeln
um den Hals. Einer der glühendsten Verehrer Kalis war Ramakrisha
(1834 bis 1886), der in der Nähe von Kalkutta lebte und eine
große Zahl Anhänger um sich versammelte. Hätte man
ihm gegenüber behauptet, seine Mutter Kali wäre nur schrecklich
hätte er wohlwissend nur gelacht. Shiva wird in der Form des
Shivalingams, einer Darstellung des Phallus, verehrt. Dieser Shivalingam
steht immer in der Yoni, dem Symbol des Weiblichen, beides zusammen
Sinnbild für die Vereinigung, aus der neues Leben entsteht.
Krishna
Krishna, der blaue Hirtengott mit der Flöte,
hat seine Kindheit und
Jugend bei den Hirten verbracht, und viele Geschichten
ranken um seine
Spiele mit den Gopis, den Milchmädchen. Die meisten
Krishnabilder
zeigen ihn mit Radha, einer Gopi. Anhänger Krishnas
suchen die
Erlösung ganz in der Hingabe zu Krishna (Bhaktireligion).
Krishna
begegnet uns wieder in einem Teil des Mahabharata,
der Bhagavadgita. Hier ist er der
Wagenlenker Arjunas, der ihn lehrt, dem Dharma entsprechend zu handeln
und Gott zu vertrauen, ohne nach Erfolg oder Mißerfolg zu
fragen.
Ganesh
Ganesh, der Sohn von Shiva und Parvati, trägt
einen
Elefantenkopf, weil Shiva ihm in einem Anfall von
Wut
den Kopf abschlug und ihm deshalb vom nächstbesten
Lebewesen den Kopf aufsetzen mußte, um ihn wieder
zum Leben zu bringen. Das erstbeste, gerade greifbare
Lebewesen war ein Elefant. Das Reittier Ganeshs ist
eine Ratte. Die Ratte ist ein Symbol für die
Kraft, die
selbst im kleinsten Lebewesen steckt und die Fähigkeit
in sich birgt, selbst einen Elefanten zu tragen.
Was
heißt Sanatana Dharma?
Als
die alten Perser nach Indien kamen, fanden sie eine hochzivilisierte
Kultur vor, die in der Nähe des Flusses Sindhu (Indus) lebten.
Sie nannten diese Menschen Sindus. Im Laufe der Zeit wurde "Si" in
"Hi" umgewandelt. Sie wurden "Hindus" genannt, und ihr bemerkenswert
hochentwickelter Glaube wurde als "Hinduismus" bekannt. Tatsächlich
gibt es in keiner Hindu-Schrift das Wort "Hinduismus" oder "Hindu."
"Sanatana" heißt "ewig"; "Dharma" bedeutet die
Werte, welche die Existenz, das Leben und die Evolution tragen. So
heißt Sanatana Dharma das Leben im Einklang mit den ewigen Werten,
die die Existenz des Universums und das gesamte Leben und die Evolution
stützen. Sanatana Dharma ist auf den ewigen spirituellen Gesetzen
aufgebaut, die von den Sehern oder Rishis geoffenbart wurden, die
perfekte spirituelle Meister waren.
Eines der einzigartigen Merkmale von Sanatana Dharma
ist, daß es nicht einen einzigen Gründer hat. Es hängt
weder von der Lebensgeschichte eines einzelnen Menschen ab, noch hat
es ein Entstehungsdatum. Sanatana Dharma wird geoffenbart durch die
göttliche Erkenntnis von zahlreichen Weisen und Sehern wie Veda
Vyasa, Vasishta, Parasara, Devala, Narada, Patanjali, Valmiki, Jaimini,
Kapila und unzähligen anderen. Jeder dieser Weisen hätte
eine angesehene Religion gründen können, sie waren jedoch
zufrieden damit, ihre großartige Erkenntnis zu offenbaren, und
so die Wahrheit zu enthüllen und zu bestätigen, wie sie
seit ewig besteht. So überschreitet Sanatana Dharma die Religion.
Es ist einfach die ewige Wahrheit, auf göttliche Weise geoffenbart.
Ihre grundlegenden Prinzipien erweisen sich als wahr für alle
Menschen, überall zu allen Zeiten, vergangenen, gegenwärtigen
und zukünftigen.
Sanatana Dharma behauptet, dass Gott das eine, höchste,
reine, unendliche Wesen ist, ungeteilt und ganz, dessen Licht alles
erleuchtet. Dieses reine Wesen ist die Intelligenz, die allem zugrundeliegt
und alles durchdringt, das unendliche, innerste Selbst von allem,
Sat-Chit-Ananda, oder reine Existenz, reines Bewusstsein und reine
Seligkeit. Da Gott das innerste Selbst von allem ist, sind alle Wesen
nur Das. Der Mensch hat die große Gnade fähig zu sein,
seine höchste Identität mit Gott zu verwirklichen. In der
Tat ist das das Ziel des Lebens, und jede Facette von Santana Dharma
führt in diese Richtung der Selbstverwirklichung.
Wie oben erwähnt, drückt Sanatana Dharma
das Leben in Übereinstimmung mit den ewigen Werten aus, die
die Existenz des Universums und alles Leben und alle Evolution unterstützen.
Sanatana Dharma muss deshalb nicht nur für die höchste
Wahrheit eintreten, sondern auch für die Wahrheit auf allen
Ebenen des Lebens, um alle Wesen zu erheben und zu führen,
auf welchem Stadium des Wachstums und der Erfahrung sie auch immer
sich befinden.
Die höchste Wahrheit, die von Sanatana Dharma
geoffenbart wird, erklärt, dass Gott Einer ohne Zweiten ist
- in der Tat, alles ist jenes unendliche Selbst. Jedoch können
nur wenige diese höchste Wahrheit auch begreifen, und noch
viel weniger erfahren. Auf niedrigeren Ebenen der Evolution leitet
die Dualität (die Existenz von Subjekt und Objekt, von Wahrnehmendem
und Wahrgenommenem) das Leben des Menschen. Deshalb muss für
den durchschnittlichen Menschen Gott auch in Begriffen der Dualität
gedacht werden. Sonst bleibt Gott ein abstraktes Konzept ausserhalb
der Reichweite der allgemeinen Bevölkerung. Deshalb haben die
Weisen verschiedene Aspekte des einen höchsten Gottes zum Zweck
der Verehrung entwickelt - Shiva, Brahma, Vishnu, Devi usw. (siehe
Rubrik "Pantheon"). Nichtsdestoweniger, die höchste Realität
bleibt diese: dass es einen Gott gibt, unendlich und unausdrückbar,
jenseits von Form, Name, Eigenschaften und Attributen. Verschiedene
Aspekte der göttlichen Intelligenz funktionieren in der natürlichen
Schöpfung, z.B. die vedischen Götter wie Indra, Agni,
Soma, jeder spielt seine respektive Rolle im Universum. Diese Götter
kann man um ihren Segen bitten. Das kann fühlbar erlebt werden.
Was
bedeutet das Wort Yoga eigentlich?
er Begriff Yoga stammt von yui ab, einem Wort der
altindischen Literatursprache Sanskrit. Er bedeutet "konzentrieren,
sammeln, gemeinsam wirken lassen". Im Yoga sollen die Energien
von Körper, Geist und Seele in Harmonie mit den Energien
des Kosmos gebracht werden. Erstmals aufgeschrieben wurde die
Yoga-Phylosophie um 200 v. Chr. von dem indischen Phylosophen
Patanjali. Damals galt Yoga vor allem als Weg zur menschlichen
Reifung und Erkenntnis des eigenen Selbst. Meditation, Bewusstseinsbildung,
Philosophie bildeten die wesentlichen Elemente der Yoga- Geheimlehre.
Diese wurden von Lehrern (die man Guru nennt) nur an ausgewählte
Schüler weitergegeben. Das änderte sich dann spätestens
um 1300 n. Chr. Denn da breitete sich der Yoga auch in der Allgemeinbevölkerung
und in der Yoga- Praxis (Körper-, Atem-und Meditationübungen)
aus. Im Westen aber auch im modernen Indien wird Yoga als Weg
zu Gesundheit, Entspannung, Harmonie und Erkenntnis geschätzt
und gelehrt. Grundsätzlich ist er eine Methode und keine
Heilslehre oder etwas heiliges. Was man durch Yoga- Übungen
erreicht ist nichts weiter als Konzentrationsfähigkeit, Gelassenheit,
körperliche Elastizität und geistige Frische. Auch wenn
man schon alt ist!
Was für Yoga- Lehren gibt
es?
Es gibt mindestens zwölf Yoga. Lehren die teilweise
Phantasienamen haben. Eine der bedeutsamsten ist der Raja Yoga (gesprochen:
Radscha). Man nennt ihn den königlichen Yoga Weg. Er umfasst
acht Glieder
oder Stufen, die nicht nur nach- sondern auch nebeneineeander
geübt werden sollten. Yama ,,die sittlichen Gebote". Noyama,
die anzustrebenden positiven Eigenschaften 3. Asada, die körperübungeen
des Yoga usw. Die höchste Yogastufe ist die 8. Samadi, was
soviel heisst wie " die Erleuchtung". Diese Stufe ist nicht willentlich
herbeiführbar. Sie ist als göttliches Geschenk bekannt.
Wie gesagt, es gibt noch eine
Menge andere Yoga-Lehren wie z B. der Hatha- Yoga,
bei dem auf Körper- und Atemübungeen grosser Wert gelegt
wird. Oder der Tantra Yoga, der Weg des Paares, der Sexualität.
Sowie auch der Jnana
(gesprochen: Dschana)der Weg des Wissens und der Erkenntnisse.
Ist Yoga ein Heilverfahren?
Nein, Yoga ist kein Heilverfahren. Yoga ist nur eine
Art und Weise, eine ganz bestimmte Lebensphilosophie in die Tat
umzusetzen. Diese Lebensphilosophie heisst: Jeder Mmensch ist Teil
der grossen, kosmischen Harmonie, die das gesamte Weltall umfasst.
Wenn der Mensch aus dem Gleichgewicht gerät, stört dies
die Gesamtharmonie. Also hat er die Aufgabe, sein Leben so zu gestalten,
dass der grosse Zusammenklang erhalten bleibt. Dazu muss er lernen,
mit sich selber und den Anderen klar zu kommen und seine Gesundheit
in den Griff zu bekommen. Der Körper, Geist und Seele sollen
miteinander harmonieren. Ein Weg zu solcher Bewustseinsbildunng
und inneren Harmonie sind zB. die Übungen des schon oben genannten
Hatha Yoga.
Yoga ist aber auch nicht ganz ungefährlich,
denn wenn man die Yoga Übungen falsch macht oder die falschen
Übungen in einer bestimmten Situation ausübt, können
Krankheiten ausgelöst werden.
Was
ist Bhakti Yoga?
hakti Yoga ist der Pfad zur Einheit mit Gott durch
die Liebe. Die Weisen und Meister empfehlen Bhakti Yoga als den
einfachsten Weg zum Erlangen der Gottesverwirklichung.
Was ist Liebe?
Die Liebe ist das bezaubernste, aufregendste, schönste
und erfreulichste Gefühl, das die Menschen erleben können.
Das ist, weil die Liebe in ihrer wesentlichen Natur göttlich
ist.
Die Bhakti Sutra, auch bekannt als Naradas Weg der
Göttlichen Liebe, erklärt, dass "Bhakti die intensive
Liebe zu Gott ist. In seiner eigentlichen Natur ist diese göttliche
Liebe unsterbliche Glückseligkeit." Johannes, der geliebte
Jünger, sagt im Christusevangelium: "Gott ist die Liebe."
Gewöhnlich fühlen wir persönliche
Liebe für unsere Freunde, unsere Familienmitglieder, unsere
Haustiere oder Pflanzen, und manchmal fühlen wir eine besondere
Art von Liebe für unseren Freund oder unsere Freundin. Später
empfinden wir Liebe für unseren Gatten oder unsere Gattin und
für unsere Kinder. Es gibt viele Arten persönlicher Liebe,
aber wenn wir anfangen Gott zu lieben, kehren wir zur Quelle der
Liebe selbst zurück. Mata Amritanandamayi (Amma), eine der
größten Vertreterinnen des Bhakti Yoga der heutigen Zeit,
sagt, dass, wenn dies geschieht, wir beginnen können, alle
Wesen wie unsere eigenen zu lieben.
Wodurch unterscheidet sich
Bhakti von anderen Arten der Liebe?
Bhakti bedeutet speziell hingebungsvolle Liebe zu
Gott. Diese Liebe mag durch Gebet, Gesang, Dienst, Rituale, anderen
dienen und sie lieben usw., ausgedrückt werden. Die gegenseitige
Zuneigung zwischen Mann und Frau, die so ineinander vertieft sind,
dass nichts anderes für sie existiert, mag auch Hingabe genannt
werden. Im Bhakti wird diese Exstase jedoch als gegenseitige Liebe
zwischen Gott und der Seele erlebt.
Hingabe an den Guru schliesst alle möglichen
Formen der Hingabe mit ein. Gott wird oft in seiner Natur als unpersönlich
aufgefasst, als das, was das ganze Universum durchdringt, sich jedoch
der Kenntnis des menschlichen Denkens und der Leidenschaft entzieht.
Aber im Guru kann Gott in einer menschlichen Form gesehen werden.
Gott muss sowohl persönlich wie unpersönlich
sein. Unsere Liebe für den Guru, oder für eine Inkarnation
Gottes, erlaubt uns, sowohl die persönliche wie auch die unpersönliche
Natur Gottes zur selben Zeit zu erleben. In einem späteren
Stadium der Hingabe bedeutet Bhakti solch eine intensive Liebe zu
Gott, dass der Liebhaber Gott, den Geliebten, überall, in jedem
und in allem sieht.
Diese intensive Liebe zu Gott ist dasselbe wie Selbstverwirklichung,
aber anstatt vollständig in Gott aufzugehen, behält der
Devotee (Verehrer) mit solchem Bhakti einen kleinen Grad von Individualität,
nur weil er oder sie es wünscht, Gott ewig zu lieben und zu
dienen. Ein solcher Devotee wird ein Bhagavatottoma genannt.
Die grossen Weisen haben jede mögliche Feinheit
beschrieben, wie unsere Verehrung und Liebe zu Gott, unseren Sinn
der Einheit mit dem Göttlichen, vergrössert und gesteigert
werden kann. Sie haben die Perlen ihrer Einsichten in verschiedenen
ruhmreichen Schriften niedergeschrieben, die seit alten Zeiten überliefert
worden sind.
Beispiele der wesentlichen
Aussagen der Bhakti Sutras
Die Verse 2-4 der Srimad Bhagavatam sagen: "Bhakti
ist intensive Liebe zu Gott. In seiner wesentlichen Natur ist diese
göttliche Liebe unsterbliche Glückseligkeit. Indem er
sie erlangt, wird ein Mensch perfekt, unsterblich und auf immer
zufrieden."
Narada verkündet, dass die Erfahrung intensiver
Gottesliebe dasselbe ist wie die Erfahrung unserer innewohnenden
Gottesnatur. Jede lebende Kreatur sucht die Erfahrung Gottes, entweder
bewusst oder unbewusst. Wenn es uns einmal möglich wird, diese
Erfahrung zu machen, werden wir für immer zufrieden. Das Gefühl
von Unglücklichsein oder von etwas mehr wünschen wird
für immer in der göttlichen Glückseligkeit gelöscht.
Die Verse 58-62 Stellen fest: "Der Pfad der Verehrung
ist der leichteste Weg, um Gott zu erreichen. Die Liebe ist ihr
eigener Beweis und verlangt keinen anderen. Ihre Natur ist Friede
und höchste Glückseligkeit. Der Devotee grämt sich
nicht über persönliche Verluste, da er sich selbst hingegeben
hat, alles was er besitzt, sogar die Rituale und Zeremonien, die
von den Schriften vorgeschrieben werden. Obschon der Devotee sich
selbst völlig Gott hingegeben haben mag, muss er nicht auf
die Handlung in der Welt verzichten, sondern fährt fort zu
handeln, indem er die Früchte der Handlung Gott übergibt.
Die Verse 7-8: "Bhakti kann nicht benutzt werden um
irgendeinen Wunsch zu erfüllen, da er selbst alle Wünsche
in Schach hält. Entsagung heisst alle, sowohl weltliche wie
auch heilige Aktivitäten, Gott zu weihen."
Wenn man einmal intensive Gottesliebe erfährt,
löst das Bedürfnis, persönliche Wünsche zu erfüllen,
sich auf. Indem man Gott kennt und liebt, ist der Hauptwunsch des
Lebens erfüllt, und ein solcher Mensch lebt in Glückseligkeit.
Wie Swami Pranavananda vom Sri Ramakrishna-Kloster schreibt: "Das
Wort Entsagung klingt hart, aber tatsächlich heisst es, dem
Kleinen für das Grössere entsagen, der gesüssten
Milch für das Eis; du erhälst etwas besseres dafür.
Sri Ramakrishna pflegte zu sagen, dass das Ideal der Entsagung natürlich
wachsen muss, man soll sich nicht selbst dazu zwingen."
In dem Prozess, alle Handlungen Gott darzubringen,
zu handeln als ob man im Dienste Gottes stünde, fallen die
kleineren Wünsche und Freuden mit der Zeit ab. Der grössere
Wunsch, in der Präsenz Gottes zu leben, Gott immer zu lieben,
wird natürlicherweise immer intensiver.
Bhakti Yoga und die Beziehung
zum Guru
In den Versen 38-40 Stellen die Narada Bhakti Sutras
fest: "Das Hauptmittel, um Bhakti zu erlangen ist die Gnade einer
großen Seele. Es ist schwer, die Gnade einer großen
Seele zu erlangen, weil es schwer ist, eine solche zu erkennen;
aber wenn jemand seine Gnade bekommt, ist die Wirkung unfehlbar.
Durch die Gnade Gottes allein erlangt ein Aspirant die Gnade einer
großen Seele."
Die große Seele verkörpert das Ideal des
Ishta Devata (geliebte Gottheit) in seiner oder ihrer Persönlichkeit.
Der Satguru manifestiert das, was wir innerlich verehren, und durch
den grossen Segen, unsere Ishta Devata zu sehen, zu berühren
und mit ihr zu reden, wird unsere Fähigkeit zur Verehrung tausendfach
vergrössert. Es ist schwierig, das, was wir nicht sehen oder
nur unvollkommen begreifen, wirklich zu lieben und zu verehren.
Die Gnade einer grossen Seele gibt uns die Erfahrung, die wir wünschen,
in einer höchst konkreten Weise.
Was ist der Zweck des Bhakti
Yoga?
Die Methoden des Bhakti Yoga ermöglichen
es dem Devotee, seinen oder ihren Sinn der getrennten Identität
von Gott zu überwinden. Bhakti Yoga beginnt an dem Punkt, wo
Gott und der Devotee getrennt sind; d.h., der Devotee erlebt sich
selbst als separat von Gott, während er sich danach sehnt,
Gott innigst kennenzulernen. Nach und nach wächst der Devotee
stufenweise in immer grösser werdende Liebe zu Gott, um schliesslich
vollständig mit seiner Identität in Gott aufzugehen, oder
Mukti (Befreiung) zu erlangen. Große Devotees bevorzugen,
wie auch immer, Bhakti vor Mukti, und beten, dass wenigstens ein
Teil von Getrenntsein übrigbleibt, so dass der Devotee weiterhin
Gott lieben und auf ewig dienen kann. Solche Devotees werden Bhagavatottamas
genannt (s.o.).
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