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Briefe zur Sparsamkeit und Bescheidenheid.
Lieber Sohn! Vergesse nicht, dem Tobias die Quittung nebst dem Geld zu geben. Der Herr Instruktor hätte früher kommen sollen - da die Sache sich nun so verhält, so mußt Du ihm folgen. Ich wünsche auch nicht, daß Du den I4- September zu mir kommst. Es ist besser, daß Du diese Studien endigst. - Gott hat mich nie verlassen. Es wird sich schon noch jemand finden, der mir die Augen zudrückt. Es scheint mir Oberhaupt ein abgekartetes Wesen in dem allem, was vorgegangen ist, wo der Herr Bruder (Pseudo) eine Rolle mitspielt. - Ich weiß, daß später Du auch nicht Lust hast, bei mir zu sein. Natürlich, es geht etwas zu rein zu bei mir. - Du hast auch verflossenen Sonntag wieder i fl. 15 Kreuzer von der Haushälterin, diesem alten, gemeinem Kuchelmensch, geborgt. - Es war schon verboten. - Aber so geht es überall. Mit dem Gehrock wäre ich zwei fahr ausgekommen; freilich habe ich die üble Gewohnheit, im Hause einen abgetragenen Rock anzuziehen. Aber Herr Karl, o pfui der Schande! und weswegen? Der Geldsack Herr Ludwig van Beethoven ist ja bloß dafür da. - Du brauchst auch diesen Sonntag nicht zu kommen; denn wahre Harmonie und Einklang wird bei Deinem Benehmen nie entstehen können. - Wozu die Heuchelei? Du wirst dann erst ein besserer Mensch; Du brauchst Dich nicht zu verstellen nicht zu lügen, welches für Deinen moralischen Charakter endlich besser ist. - Siehst Du, so spiegelst Du Dich in mir ab; denn was hilft das liebevollste Zurechtweisen!! Erbost wirst Du noch obendrein. Übrigens sei nicht bange: für Dich werde ich immer wie jetzt unausgesetzt sorgen. Solche Szenen bringst Du in mir hervor - als ich die i fl. 15 wieder auf der Rechnung fand ... Leb wohl!
Derjenige, der Dir zwar nicht das Leben gegeben, aber gewiß
doch erhalten hat und, was mehr als alles andere, für die Bildung
Deines Geistes gesorgt hat, väterlich, ja mehr als das, bittet
Dich innigst, ja auf dem einzigen wahren Weg alles Guten und Rechten
zu wandeln. - Leb wohl! LUDWIG VAN
BEETHOVEN
GRAF HELMUTH
VON MOLTKE
AN der Kleinkinderschule würdest Du Deine Freude haben und auch die große Schule ist gut im Gange. 85 kleine Kapitalisten haben ihre Sparbücher und einige Mark in der Provinzial-Sparkasse deponiert; es ist so wichtig, daß man frühzeitig das Sparen lernt, das wissen wir aus eigener Erfahrung. Die neue Generation hat gleich anfangs eine Unterstützung gefunden, die keines von uns Geschwistern gekannt hat. GRAF HELMUTH
VON MOLTKE (18oo-1891)
ICH bleibe, und werde immer fester in meiner alten Überzeugung, daß es nicht Lesen und Schreiben und sogenannte Kenntnisse sind, die dem Volk und den Menschen im allgemeinen wohltun; sondern alte ererbte Maximen; darunter die, daß Verschuldung Schande und ehrliche Vermehrung seines Vermögens, für den, der Zeit hat dafür zu sorgen, ehrenvoll ist; daß jeder für seinen Beruf geschaffen ist und ganz für ihn leben, muß, wodurch sich Verstand und Urteil von selbst entwickelt, wenn es da ist ... B. G. NIEBUHR
(1776-183I)
Mein lieber Helmuth! ICH habe
Dir das Geld geschickt, damit Du beizeiten lernst, mit Geld umzugehen.
Wenn Du den ganzen Betrag in Deinem Sparkassenbuch anlegtest, so
wärst Du ein Geizhals, wenn Du ihn in kurzer Zeit verläppeItest,
so wärest Du ein Verschwender; das Richtige liegt in der Mitte.
Mit herzlichen Grüßen von uns allen, Dein Opapa Graf Moltke GRAF HELMUTH
VON MOLTKE (i8oo-i89i)
VÄTERLICHE Ermahnung an Fanny nebst einem Groschen SPARSAMKEIT
ist eine Tugend, ge 3 er
FDUARD MÖRIKE
(i8o4-i875)
DIE großen
Taten der Menschen sind nicht die, welche lärmen; in der Regel
sind sie Eingebungen von Affekten, die ebenso gut und sogar meistens
Schwäche sein können. Das Große geschieht
so schlicht wie das Rieseln des Wassers, das Fließen der Luft,
das Wachsen des Getreides. Darum ist irgendeine Heldentat
unendlich leichter und auch öfter da als ein ganzes Leben voll
Selbstbezwingung, unscheinbaren Reichtums und freudigen Strebens.
ADALBERT
STIFTER
Sehr lieber Herr Kappus: Ich habe
einen Brief von ihnen lange ohne Antwort gelassen, nicht daß
ich ihn vergessen hätte - im Gegenteil: er war von der Art
derer, die man wieder liest, wenn man sie unter den Briefen findet,
und ich erkannte Sie darin wie aus großer Nähe.
Wenn ich ihn, wie jetzt, in der großen Stille dieser Fernen
lese, dann rührt mich Ihre schöne Sorge um das Leben,
mehr noch, als ich das schon in Paris empfunden habe, wo alles anders
anklingt und verhallt wegen des übergroßen Lärmes,
von dem die Dinge zittern. Hier, wo ein gewaltiges Land um
mich ist, über das von den Meeren her die Winde gehen, hier
fühle ich, daß auf jene Fragen und Gefühle, die
in ihren Tiefen ein eigenes Leben haben, nirgend ein Mensch Ihnen
antworten kann; denn es irren auch die Besten in den Worten, wenn
sie Leisestes bedeuten sollen und fast Unsägliches. Aber
ich glaube trotzdem, daß Sie nicht ohne Lösung bleiben
müssen, wenn Sie sich an Dinge halten, die denen ähnlich
sind, an welchen jetzt meine Augen sich erholen. Wenn Sie
sich an die Natur halten, an das Einfache in ihr, an das Kleine,
das kaum einer sieht, und das so unversehens zum Großen und
Unermeßlichen werden kann; wenn Sie diese Liebe haben zu dem
Geringen und ganz schlicht als ein Dienender das Vertrauen dessen
zu gewinnen suchen, was arm scheint: dann wird Ihnen alles leichter,
einheitlicher und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande
vielleicht, der staunend zurückbleibt, aber in Ihrem innersten
Bewußtsein, Wach-sein und Wissen. Sie sind so jung,
so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann,
bitten lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in
Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie
verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden
Sprache geschrieben sind. RAINER MARIA RILKE (I875-1926) an Franz
Xaver Kappus, Worpswede bei Bremen, am i6. Juni 1903
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